Gold und Meer

Wow. Schon der dritte Advent. Und ich sitze hier in Ghana und würde echt gerne mal wieder eine Nacht schlafen, ohne dabei wie ein Pferd zu schwitzen.

Aber beginnen wir mal bei den letzten zwei Wochenenden, da war echt mal wieder was geboten. Die Wochenenden sind hier echt wahnsinnig langweilig, wenn wir nicht was unternehmen. Deshalb haben wir auch vorletztes Wochenende beschlossen in die Goldmienen zu fahren. Diese sind knapp eineinhalb Stunden Busfahrt von Kumasi entfernt, in Obuasi. Dort waren wir auch schon für die Hochzeit von Harriets (Für Neueinsteiger: Die Schneiderlehrerin der Schule) Cousine.

Der Plan war, um sieben in Obuasi anzukommen, da man als Besucher nur Vormittags in die Goldmienen darf. Deshalb sind wir hier um fünf mit dem Taxi zur Busstation gefahren. Wir, das waren die üblichen Verdächtigen, Philipp, Sabine, Lea, Eva, Ich und zu guter Letzt Harriet mit Tochter. Die ist mitgefahren, weil der „Vater ihres Sohnes“, so wurde er uns vorgestellt, Charles dort arbeitet und uns deshalb leichter da rein gebracht hat. Unser Zeitplan wurde dann leider durchkreuzt, weil gefühlt halb Kumasi nach Obuasi fahren wollte. Uns erwartete also eine ewig lange Schlange. Als wir dann am Schalter waren, haben Philipp, Eva und Ich Tickets bekommen, als plötzlich ein riesen Tumult entstanden ist, wo alle durcheinander geschrieen haben. Als ich Harriet gefragt habe, warum sie sich so aufregt, hat sie mir erklärt, dass der Mann am Schalter die Hälfte der Tickets zur Hintertür an Freunde von ihm verkauft hat, die sich nicht anstellen wollten. Der Rest hat dann aber auch noch Plätze in dem Bus bekommen und so konnte die Reise neben einer viel zu dicken Ghanaerin beginnen.

In Obuasi angekommen hat uns Charles mit einem Jeep der Betreiberfirma der Goldmiene abgeholt. Der war echt nicht schlecht, Klimaanlage! und eine Beschleunigung hatte der, das ist man hier sonst überhaupt nicht gewohnt von den Taxis mit denen man hier so rum fährt.

Erstmal ging es in das Tourismusbüro der Goldfirma, um uns anzumelden. 15€ mussten wir pro Person zahlen und ich musste noch mal 5€ drauf zahlen, damit ich meine Kamera mit rein nehmen durfte. Das kam mir auch ein bisschen komisch vor, weil überall Schilder hingen, dass Fotografieren in der Miene strengstens verboten ist. Wahrscheinlich gingen die 5€ einfach an die Frau an der Anmeldung, damit die kurz mal weg schaut.Golderz

Nachdem wir in wahnsinnig chice  orange Anzüge gesteckt wurden und einen Sauerstoffbehälter für Gasunfälle bekommen hatten, ging es in Charles´ Jeep auf zu den Förderschächten. Derer gibt es in Obuasi fünf. Zur Ausrüstung kam jetzt noch eine Grubenlampe hinzu, was insgesamt dann alles schon recht schwer wurde.

 

 

 

 

 

Eigentlich waren wir eh schon zu spät dran, da man normalerweise nur vor Neun in den Schacht runter darf. Bei uns wurde aber eine Ausnahme gemacht, weil wir ja mit Charles unterwegs waren. Die Regel mit vor Neun kommt daher, dass die Führung knapp zwei Stunden dauert und ab ca. ein Uhr in den Schächten gesprengt wird und da natürlich keine Besucher mehr unten sein dürfen. So ging es also auf 850 Meter Tiefe runter. Es war echt ein Erlebnis. Ich hab zwar nicht wirklich begriffen, dass wir so tief unten sind, aber trotzdem war es ein recht mulmiges Gefühl da runter zu fahren. Unten sind wir dann einen Schacht entlang gegangen und ein Mienenarbeiter hat ein bisschen erzählt. Der hatte eh viel mehr Ahnung, als der Touristenführer, der uns mitgegeben wurde. Der wusste nicht einmal wie tief der Schacht eigentlich ist, oder seit wann dort Gold abgebaut wird. Das echt beeindruckende aber war, dass der Schacht noch in Betrieb war und wir dort einfach rumlaufen durften. So etwas wäre in Deutschland niemals möglich. Das hatte zu Folge, dass der Arbeiter uns plötzlich zu geschrieen hat, dass wir so schnell wie möglich an die Wand gehen sollen, weil eine Maschine vorbei gefahren ist. Uns wurde noch die Werkstatt gezeigt, wo alles gleich unter Tage repariert wird. Dann sind wir in einen Tunnel gegangen, in dem Gleise verlegt waren. Dort sind wir eine Weile lang unbehelligt entlang gegangen, bis wir wieder angefahren wurden so schnell es nur geht in eine Nische zu kommen, weil ein Förderzug gekommen ist. Dem sind wir dann gleich gefolgt, bis er an einer Umladestation gehalten hat. Dort wurde der Inhalt der Waggons in eine große Grube gekippt und mit einem riesigen Pressluftbohrer durch ein Gitter gedrückt. Wir haben dann erfahren, dass unter dem Gitter 200 Fuß Nichts ist, bis das Erz im weiter unten gelegenen Level landet. Was in den Waggons transportiert wurde, war das Golderz, das in dem Schacht gefördert wird. An der Verladestation kommt sämtliches Erz, das in dem Schacht abgebaut wird vorbei, fällt dann ins tiefere Level und wird dort mit einem weiteren Zug zum Förderschacht und an die Oberfläche gebracht. Nach der Verladeaktion sind wir dann wieder zum Lift gegangen und nach oben gefahren. Auch wenn ich kein beengendes Gefühl dort unten hatte, war ich echt froh wieder an der Oberfläche zu sein. Die Luft ist einfach komisch dort unten, nur künstliches Licht, alles keine Umgebung, für die der Mensch gemacht ist. Beim rausgehen wurden wir dann sogar noch mit einem Metalldetektor abgetastet, dass wir auch ja nichts mitgehen lassen.

Wir wurden dann wieder von Charles mit seinem Superjeep abgeholt. Der hat uns dann gefragt, ob wir nicht noch was essen gehen wollen. Da wir ausgehungert vom andern Stern waren, haben wir einfach mal ja gesagt. Wir dachten auch eher daran einfach in eine Chopbar zu fahren und dort Fufu essen zu gehen. Er aber hatte da anscheinend andere Vorstellungen und so ging es erst einmal ein Stück aus Obuasi raus, bis wir an einen Golfplatz kamen. Dort im Clubhaus also sollten wir essen? Nach einem Blick auf die Karte ist mir erstmal anders geworden. Zum einen, weil es Spaghetti Bolognese!! gab, zum anderen aber, weil die Preise nicht zu verachten waren. Das Fufu hat zum Beispiel sechs Cedi, sprich 3€ gekostet. Als uns Charles gefragt hat, was wir trinken wollen und wir abgelehnt haben, meinte er, er würde uns auf alles einladen, also sollten wir nicht geizen. Es war gerade mal ein Uhr Mittags und er stand schon mit einem Whiskey da und wollte uns unbedingt ein Bier bestellen. Wir haben ihm dann erklärt, dass Alkohol und die Mittagshitze keine so gute Kombination für uns ist. Das hat er so lange akzeptiert, bis eine Wolke vor der Sonne war, da hat er dann gleich gesagt, jetzt sei es kälter, also könnten wir nun auch ein Bier trinken.

Aber zurück zum Fufu. Das war nämlich so unbeschreiblich gut, das mit Abstand beste, was ich bis jetzt gegessen habe, also auch seinen Preis wert. Nach dem Essen und einer weiteren runde Bier, die er uns aufgedrängt hatte, ging es dann zurück in Richtung des Busbahnhofes. Dort sind wir aber nur kurz vorbei gefahren, weil Charles meinte, die Schlange am Schalter sei zu lang, wir sollten erstmal noch mal woanders hinfahren und die Zeit vertreiben. Die Logik hat sich mir nicht so ganz erschlossen, weil dadurch die Schlange ja auch nicht kürzer geworden ist. Aber wir haben einfach mal gefolgt und sind mit ihm wieder auf das Gelände der Goldfirma gefahren. Dort sind wir in den Tennisclub der Firma gefahren um noch mal was zu trinken.

Da merkt man die gewaltigen Disparitäten in Ghana. Den Menschen geht es ja generell für ein afrikanische Land recht gut, aber die, die wirklich Geld haben, haben dann gleich so viel, dass sie mit einem dicken Auto rum fahren (Ein eigenes Auto ist hier ein Zeichen von Geld), Golf spielen, oder eben fleißig sonst Geld raus hauen. Ich kam mir da schon recht komisch vor in diesem Golfclub zu sitzen, wo nur reiche Ghanaer, oder Weiße waren. Die Weißen sahen auch gleich so aus, als würden sie bei der Goldfirma arbeiten und die Ghanaer übers Ohr hauen. Ja ich weis, ich hab schnell Vorurteile gegenüber Menschen, aber irgendwie hat mich die ganze Goldmiene an den Film Blood Diamond erinnert.

Nach dem Tennisclub jedenfalls hat Charles dann (oh Wunder) festgestellt, dass die Schlange am Busbahnhof immer noch nicht kürzer geworden ist. So hat er uns vor die Wahl gestellt: Entweder in Obuasi im Clubhaus übernachten und dann morgens nach Kumasi zurück fahren, oder er fährt uns in seinem eigenen Auto nach Hause. Ich für meinen Teil war nicht so begeistert, eine Nacht in Obuasi zu verbringen, daher hab ich dafür gestimmt uns von ihm Heim fahren zu lassen. In Deutschland würde ich niemals bei jemand ins Auto steigen, der schon zwei Whiskey und drei Bier intus hat, aber hier in Ghana bin ich da irgendwie lockerer. Was auch daran liegen mag, dass die Taxifahrer auch meistens betrunken sind, oder gekifft haben. Also dachten wir uns, bei Charles mitfahren passt schon, der hat eh noch einen recht frischen Eindruck gemacht.

Die Woche über ist dann eher wenig aufregendes passiert, es war einfach der ganz normale Schulalltag, wo gern mal ein Tag keine Schule ist, weil entweder eine Beerdigung ist, wo fast alle Lehrer sind und der Rest dann auch nicht unterrichten will, oder ein Fußballspiel, bei dem die Hälfte der Schule anwesend sein muss. Ich versteh einfach nicht, warum solche Turniere immer unter der Woche statt finden müssen, noch dazu vormittags und am besten noch in der Woche vor den Prüfungen.

 

Letztes Wochenende. Das war echt Wahnsinn. Freitagmorgen ging es auf Richtung Süden, sprich ans Meer. Endlich! Morgen ist vielleicht ein bisschen der falsche Ausdruck, halb sechs war Treffpunkt mit den anderen. Die anderen waren Konrad, Jakob und noch 15 andere Freiwillige von anderen Organisationen, die wir hier kennen gelernt haben. Der Plan war, fünf bis sechs Stunden zu brauchen und dann mittags noch ins Meer springen zu können. Wie so oft war die deutsche Zeitgenauigkeit total sinnlos. Nach acht Stunden waren wir erst an der Küste in Cape Coast.

Von dort aus ging es dann die Küste entlang nach Westen. Bis wir bei einer Polizeikontrolle plötzlich raus gezogen wurden. Zuerst dachten wir, die Polizisten hätten das mal wieder nur gemacht, weil sie gesehen haben, dass Weiße im Trotro sitzen und nun erwarten, dass sie mit einem Euro geschmiert werden, damit der Fahrer weiter fahren darf. Als dieser nun ausgestiegen ist, haben die Polizisten angefangen auf ihn ein zu schreien. Dann ist, wie ich vermute der Chef der Kontrollstation gekommen und hat auch zuerst den Fahrer angeschrieen, als der aber dann wieder einsteigen wollte, hat der Polizist ihm mehrmals ins Gesicht geschlagen und mit auf die Station genommen. Das war mal wieder ein Schock. Ich bin ja jedes Mal wieder geschockt, wenn Kinder in der Schule geschlagen werden, aber so was. Mitten auf der Straße schlägt der Polizist dem Mann ins Gesicht und niemand unternimmt was. Die ganze Aktion hatte dann zur Folge, dass wir dort nun rum standen und gar nicht wirklich wussten was der Fahrer nun falsch gemacht hat. Ein paar sind dann auf die Wache mit gegangen, um zu erfahren, was eigentlich los ist. Der Fahrer steckte mittlerweile im Gefängnis. Sein Vergehen: Er war an der vorherigen Polizeikontrolle einfach durchgefahren, die Station hat dann  die Nächste, sprich die wo wir nun standen angerufen, sodass die uns raus ziehen konnten. Der Grund dafür, dass der Fahrer weiter gefahren ist, war, dass er keinen Führerschein hatte. An sich hier ja gar kein Problem. Wenn Taxifahrer nach ihrem Führerschein gefragt werden, geben sie oft einfach zwei drei Cedi her und die Sache ist gegessen. Darauf hatte unser Fahrer anscheinend keine Lust. Zum Glück kannte einer der anderen Freiwilligen einen Taxifahrer, der wiederum einen Polizisten kennt, der an der Küstenstraße stationiert ist. Dieser kam dann zu unserem Kontrollpunkt und hat raus gehandelt, dass der Fahrer gegen Kaution wieder frei kommt und sogar weiter fahren darf. Die Kaution war echt gesalzen, 150 Cedi, was fast dem Monatsgehalt der Sekretärin unserer Schule entspricht. Hätte er doch lieber mal die zwei Cedi an der ersten Kontrolle abgedrückt.

Immerhin ging es dann nach zweieinhalb Stunden weiter in Richtung Urlaub. Nach elf Stunden Fahrt sind wir dann schlussendlich in der Lodge angekommen. Und ich muss sagen, die elf Stunden Fahrt haben sich so was von gelohnt. Es war einfach traumhaft, genau so, wie man sich einen Karibikstrand vorstellt. Die Lodge bestand aus kleinen Holzhütten für insgesamt 30 Gäste. Der Strand war 50 Meter weit weg. Am Strand hingen unter Palmen Hängematten und wir konnten uns noch den Sonnenuntergang anschauen.

Der erste Abend

Am ersten Abend sind wir in der Lodge geblieben und haben am Strand gelegen und spiele gespielt. Am nächsten Morgen bin ich dann um sechs aufgestanden, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider war ich schon zu spät dran und die Sonne war schon relativ hoch. Dafür bin ich dann gleich noch am Strand joggen gegangen, was ich ja eh liebe, aber dann noch an so einem Strand, das war echt unbeschreiblich.

Vormittags lagen wir dann am Strand, oder besser gesagt waren im Meer. Die Wellen waren echt der Wahnsinn. Dann ist Konrad auch noch mit einem Surfbrett angekommen, das er sich ausgeliehen hatte. Das weitere Tagesprogramm war nun also auch schon bestimmt. Auch wenn ich es zum ersten Mal versucht habe, und das längste Mal drauf stehen vielleicht drei Sekunden betrug, hat es so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich noch einmal eine Sportart entdecke, die mir nach einmal probieren so viel Spaß macht. Es war einfach super mal wieder richtig Sport machen zu können. Kein Klettern, kein Mountainbiken und natürlich auch kein Snowboarden. Ich merk einfach, wie mir der Sport hier fehlt und dann noch das ewig ölige Essen. Nur Joggen gehen ist da auch keine wirkliche Alternative.

Eine Sache hat ausnahmslos jeder bekommen, einen Sonnenbrand. Trotz zweimal eincremen, was ich hier sonst gar nicht mache, hatte ich einen Ganzkörpersonnenbrand. Ich bin zwar die Sonne mittlerweile gewohnt wenn ich einfach nur draußen bin, aber am Strand und dann noch fast den ganzen Tag im Wasser, das ist dann wohl doch zu viel des Guten.

Abends sind wir in die nächste größere Stadt gefahren, da dort ein Festival statt gefunden hat. Noch dazu  war die Bühne direkt am Strand. Am Anfang war mir noch ein bisschen zu viel ghanaische Musik, sprich Hiplife und Highlife. Dann gegen Ende aber wurde auch mal mehr elektronisches Zeug gespielt, was fast schon an Drum and Bass oder Dubstep erinnert hat. Da hat es dann schon deutlich mehr Laune gemacht.

Trotz wenig Schlaf bin ich am nächsten Morgen so früh wie möglich aufgestanden, um noch Zeit zum Baden zu haben und nicht ewig aufs Frühstück warten zu müssen. Apropos Essen, das war in der Lodge echt ein Witz. Als wir am ersten Abend total ausgehungert dort angekommen sind, gab es für 12! Cedi eine Schüssel Suppe und ein Stück Quiche für jeden. Und so ging es dann auch noch weiter, es gab einfach immer so wenig zu essen, das hat schon an einen Diäturlaub gegrenzt. Vor allem an dem Samstag, nach Stunden im Wasser und Surfen war das eine Qual so wenig zu bekommen.

 

Trotz Radikaldiät war das Wochenende so wunderschön, wenn auch nicht wirklich erholsam, weil man einfach so wenig Schlaf bekommen hat und die Fahrten waren auch immer der Hammer. Da bin ich echt froh, dass wir über Weihnachten länger am Meer bleiben damit man sich auch mal entspannen kann. Es war auch einfach mal so angenehm, dem ständigen Lärm zu entkommen, dem man hier ständig ausgesetzt ist.

Diese Woche waren die Prüfungen für das erste Trimester. Die haben am Mittwoch begonnen, die Lehrer haben aber schon zu Beginn der Woche nicht mehr unterrichtet, sodass ich der einzige war, der noch voller Panik seine letzten Themen durchgeboxt hat. Die Prüfung schreib nämlich nicht ich, sondern die wird mir gestellt. Das bedeutet, dass wenn ich ein Thema aus Zeitmangel nicht durchnehmen konnte, die Schüler einfach blank da stehen. Sau doof. Vor allem weil man hier einfach so wahnsinnig langsam im Stoff voran kommt. Das liegt zum einen daran, dass die Schüler oft nichts verstehen, weil ich ja nur auf Englisch unterrichte, zum anderen aber auch daran, dass ständig der Unterricht ausfällt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal fällt der Unterricht aus, weil mal wieder ein Fußballtunier statt findet und das ja unbedingt Mittwoch vormittags sein muss. Ein andern Mal komm ich in die Schule, und die Lehrer sitzen im Lehrerzimmer und als ich sie dann frage, warum kein Unterricht ist, wird mir nur gesagt, dass die restlichen Lehrer auf einer Beerdigung sind und somit sie auch nicht unterrichten. Dann versuche ich natürlich trotzdem zu unterrichten, was aber einfach nicht möglich ist, weil die Hälfte der Klasse essen holen gegangen ist, 10 noch beim Fußball spielen sind und mit fünf Schülern brauch ich dann auch nicht anfangen.

Also hab ich als einziger am Dienstag noch meine letzte Stunde mit ach und krach gehalten, weil ungefähr nur zwei Schüler zugehört haben und der Rest es nicht eingesehen hat, unterricht zu haben, wenn die anderen Klassen frei haben. Dann gehe ich also zu den anderen Lehrern, beschwere mich über meine viel zu laute Klasse und was kommt als Antwort? „Die Schüler waren einfach nicht darauf eingestellt heute Unterricht zu haben“. Was soll das denn heißen? Wenn sie schon zur Schule gehen sollten sie sich gefälligst auch darauf einstellen, dass sie was lernen müssen. Noch dazu wenn am nächsten Tag genau über das Thema Prüfung geschrieben wird. Jetzt weis ich dafür endlich mal, wie nervtötend die Argumentationsketten von Schülern wirklich sein können.

Also habe ich mich am Mittwoch bei einer Klasse rein gesetzt, um Prüfungsaufsicht zu halten. Wiederum war ich der einzige Lehrer, der das wirklich durch gezogen hat. Ich hatte Aufsicht bei den Form 1, die Aufsicht von der Form 2 hat vor dem Klassenzimmer geschlafen und die von der dritten Klasse war gleich ganz im Lehrerzimmer und hat damit den anderen Lehrern abgehangen. Das hätte mich ja gar nicht so gestört, wenn sie nicht alle 15 Minuten in die Klassen gegangen wären und einen x-beliebigen Schüler geschlagen hätten, der wie der Rest natürlich am Reden war. Auch bei mir kam immer mal wieder die Mathelehrerin rein und hat gschaftelt. Daher hab ich beschlossen, Donnerstag und Freitag Prüfung einfach Prüfung sein zu lassen und einfach nur daheim zu korrigieren. Das war auch wieder so ein Punkt, wo ich mich aufregen musste. Wie kann es sein, dass eine staatliche Prüfung in der Angabe unzählige Fehler enthält und dann auch noch in den für die Lehrer gegebenen Lösungen. Daher musste ich alle Aufgaben noch einmal durchrechnen, was 40 an der Zahl waren. Davon waren echt fünf Mal die Lösungen falsch angegeben. Na ja andere Länder, andere Sitten. Die Lehrer hat das alles nicht so erschüttert, die sind das ja schon gewohnt und wissen damit umzugehen.

Bei solchen Aktionen merk ich erst, wie spießig und genau ich das eigentlich alles aus Deutschland gewohnt bin und auch schätze.

Unabhängig von den letzten Wochen wollte ich auch mal die Vorurteile der Ghanaer uns gegenüber ansprechen. Total oft wird man schon nach zwei Minuten darauf angesprochen, warum man eigentlich in Ghana ist, weil die Deutschen doch keine schwarzen mögen. Wenn man versucht sie dann vom Gegenteil zu überzeugen, hören sie nicht zu, oder sagen einfach ein Freund, der in Deutschland lebt hat das gesagt, also stimmt das schon.

Das andere große, weniger erschreckende, aber dafür um so erheiternde Vorurteil ist, dass wir Deutschen angeblich nur Bier trinken. Das hat für die Ghanaer unterschiedlichen Ursprung. Die Einen meinen, dass wir das Wasser, vor allem in Ghana, nicht vertragen und somit nur Bier trinken. Die Anderen glauben, dass wir in Deutschland durch den zweiten Weltkrieg einen Wassermangel haben und deshalb nur noch Bier trinken. Ich hab echt keine Ahnung, wie die auf so einen Schmarn gekommen sind, lustig ist es aber trotzdem immer wieder wenn sie einen darauf ansprechen.

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