Der Kurzurlaub

Lange Zeit war Funkstille, doch jetzt geht’s endlich weiter. Ein Grund war, dass sich so etwas wie ein Alltag eingestellt hatte und ich dann nie so bemerkenswerte Sachen erlebt habe, oder es schlicht und einfach vergessen habe. Mein Bericht wird sich deshalb hauptsächlich um das letzte Wochenende und das davor drehen. Besser gesagt den Freitag vor dem letzten Wochenende. An besagtem Freitag hatte unsere Schule nämlich ein Fußballspiel gegen eine andere Schule aus der Nähe. Es fing schon einmal damit an, dass ein Kleinbus kam, in den die ganze Schule rein passen sollte. Ich hab dann einen Lehrer gefragt, wie denn alle Schüler dort hinein passen sollen, worauf er geantwortet hat: „It will work. This is Ghana“. Zu meiner Überraschung hat dann wirklich fast die ganze Schule, sprich knapp 70 Schüler rein gepasst. Es wurde einfach gestapelt und gestopft, wobei der andere Lehrer und ich vorne massig Platz hatten. Den mangelnden Platz haben sich die Schüler durch die Stimmung im Bus aber wieder wettgemacht, es wurde ein Lied nach dem anderen geschmettert. Da war echt was los.

Bei der anderen Schule angekommen, mussten wir dann aber erst mal eine Stunde warten, bis das Spiel endlich losgehen konnte. Es wurde nämlich alles extrem ernst genommen. Beide Schulteams, es gab sowohl ein Mädchen, als auch ein Jungenteam hatten Trikots an. Bei dem Spiel habe ich mir meinen ersten Sonnenbrand nach knapp 2 Monaten Ghana geholt. Wir haben aber auch erst seit einer Woche wirklich Sonnenschein, weil jetzt dann die Trockenzeit kommt. Nach den Spielen, bei denen unseres Mädels 1:0 verloren haben, und die Jungs 1:1 unentschieden gespielt haben, gab es für die Lehrer Fufu im Lehrerzimmer der Schule. Ich muss sagen, das war das bisher beste, was ich gegessen hatte. Seit dem schmeckt mir Fufu auch wirklich gut. Davor hat mir oft die Konsistenz oder die Suppe nicht zugesagt. Das Fufu war oft zu schleimig, oder die Suppe hat total nach Fisch geschmeckt. In der folgenden Woche haben wir dann auch einmal selber Fufu gemacht, wobei uns eine Schülerin geholfen hat, sprich fast die ganze Arbeit gemacht hat. Die Ghanaer sind leider in solchen Dingen keine wirklich guten Lehrer. Immer wenn wir gefragt haben, ob wir irgendwas selber machen können, wurde uns nach spätestens 2 Minuten die Mörserschüssel, oder der Stab zum Fufu stampfen aus der Hand genommen. Sie können es einfach nicht aushalten, zuzuschauen, wie man sich anstellt, und wenn man fragt ob sie es einem erklären können, dann machen sie es einfach vor, aber sagen einem nicht was man anders machen soll. Vor allem beim Fufu stampfen haben sie sich immer alle schlapp gelacht. Es ist aber schon krass, was die Mädels für eine Kraft hier haben. Ich für meinen Teil konnte meine Arme nach 5 Minuten Stampfen schon fast nicht mehr heben, und die Mädels halte da fast eine Stunde durch. Also natürlich immer mit Pausen dazwischen, aber trotzdem. Nachdem hier in Ghana die Frauen komplett fürs Kochen zuständig sind, wird auch von ihnen das Fufu gestampft. Immer zu zweit, oder zu dritt wird dann abwechselnd von einem gestampft, und von einem anderen die Kochbanane und die Cassavawurzel mit der Hand gewendet. Ich hätte beim wenden so Angst um meine Hand, wenn der andere mit dem riesigen Holzprügel da draufstampft. Es geht so: Immer wenn der Stampfende ausholt wendet, oder richtet der andere das Fufu wieder so hin dass möglichst viel von der Masse gleichzeitig gestampft wird. Dann wird die Hand weggezogen und der Stampfende haut ordentlich drauf. Die Ghanaer machen das in einer Geschwindigkeit, dass es mich immer wundert, dass nicht jeder zweite hier ab und zu eine gebrochene Hand hat. Das selbst gemachte Fufu war dann echt super lecker, weil wir auch entscheiden konnten, was für ein Fleisch rein kommt. Wenn man in einer Chopbar, sprich einem Restaurant Fufu kauft, dann ist in der Soße oft so widerliches Fleisch drin, deswegen bestell ich schon immer gleich ohne Fleisch. Nun aber zum Wochenende. Quasi ein Kurzurlaub in einem traditionellen Dorf. Wir waren auf der Hochzeit von einer Kusine von Harriet, der Schneiderlehrerin unserer Schule eingeladen. Die Hochzeit hat in einem größeren Ort, eineinhalb Stunden von Kumasi entfernt statt gefunden, übernachtet haben wir aber in besagtem traditionellem Dorf etwa eine halbe Stunde von Kumasi, in der Nähe des einzigen Sees in Ghana, bzw. Westafrikas. Dieses ist das Heimatdorf von Harriets Familie und wir haben bei ihrem Vater gewohnt. Dort hat auch die Verlobungsfeier, welche hier in Ghana fast genauso groß, wie die eigentliche Hochzeit, halt nur ohne Kirche, gefeiert wird, statt gefunden. Wir sind Freitagmorgen so um 5 hier losgefahren, um auf alle Fälle rechtzeitig da zu sein. Die Taxifahrt war alles andere als komfortabel, da wir 8 Personen, Harriets einjährige Tochter inbegriffen, waren. Man kann sagen, es war eine sehr „vielschichtige“ Fahrt. Die Hälfte von uns hat danach kaum noch die Beine gespürt, weil es zu fünft hinten dann doch eher eng war. Dort angekommen wurden wir dann von Harriets Vater, einem mir wahnsinnig sympathischen Ghanaer, und seiner neuesten Frau empfangen. Die Familienverhältnisse sind mir immer noch nicht ganz klar, ich weis nur, dass er 13 Kinder von verschiedenen Frauen und Harriet anscheinend 35 Kusinen und Cousins hat. Nachdem der Vater uns unsere Zimmer gezeigt hat, sind wir gleich ins Dorf aufgebrochen, um die ganze Familie kennen zu lernen. Das Dorf hat sich schon deutlich von Denkyemouso unterschieden, vor allem, weil viele Häuser noch aus Lehm gebaut waren und dementsprechend am Verwittern. Das große Familienhaus war jedoch ein Betonbau, der an Römische Häuser erinnert hat. Ein großer Innenhof wurde komplett von den Zimmern der Hausbewohner und der Küche umschlossen. Jeder hat nur einen einzigen Raum wo ein Bett und stapelweise Klamotten drin waren (Die Zimmer in die ich rein geschaut habe zumindest).

Sämtliche Haushaltssachen, wie Waschen oder Kochen, finden im Innenhof statt. Auch sonst spielt sich das meiste draußen ab. Nach gründlicher Besichtigung des Hauses ging es dann weiter zum zweiten großen Haus der Familie, gleichzeitig das Kindheitshaus der Braut. Dort wurde fleißig Fufu gestampft und Suppe gekocht. Das gab es dann auch gleich noch zum Frühstück, wofür ich ziemlich dankbar war, weil wie zu erwarten hat die Verlobungsfeier fast drei Stunden gedauert, und sonst wäre ich mal wieder fast verhungert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel und oft die Ghanaer essen, aber auf der anderen Seite halten sie es dann auch mal ewig ohne Essen aus. Die Verlobungsfeier war dann gar nicht so langweilig, wie erwartet, weil uns Harriet die gesamte Prozedur übersetzt hat. Es fing an mit der Vorstellung und Begrüßung der Familien, wobei die Familie des Bräutigams sitzen blieb, während die Familie der Braut, wie immer gegen den Uhrzeigersinn gehend, einem nach dem anderen die Hand geschüttelt hat. Dann wurde viel geredet, wovon wir dann nichts mehr verstanden haben. Die Familie der Braut ist für die Ausrichtung der Verlobungsfeier zuständig, die Familie des Bräutigams macht dagegen Geldgeschenke an enge Verwandte der Braut, stellt den Ring, schenkt einen Koffer ( Den Inhalt habe ich leider vergessen) und sorgt für Getränke. Ah und ganz wichtig, wurde uns sogar persönlich vom Vater der Braut und danach noch mindestens zwei Mal erklärt, dieser bekommt eine Flasche Schnaps. Wie bei der Hochzeit wird ständig dazwischen gerufen oder es werden Witze gemacht, wodurch die ganze Feier zu einer sehr lebhaften und fröhlichen Veranstaltung wird.

Wieder im Haus unseres Gastgebers hat dieser uns dazu eingeladen, uns sein Dorf zu zeigen. Ganz stolz hat er uns erst zum Brunnen, dann zu örtlichen Schnapsbrennerei gebracht. Die „Schnapsbrennerei“ bestand aus einer auf einem Feuer stehenden Tonne, aus der ein Rohr in ein Kühlbecken führt, und dann in einen Kanister. Das ganze funktioniert so: Als erstes wird eine Palme gefällt, diese wird dann aufgeschnitten und die darin befindliche Flüssigkeit wird in ein Metallfass abgefüllt. Darin gärt das ganze dann an die fünf Tage. Dann hat man Palmwein, der knapp 4% hat (Dieser wird oft schon vormittags getrunken). Um den Schnaps zu gewinnen, wird der Palmwein in die Tonne auf dem Feuer gefüllt und destilliert. Das ganze wird zwei Mal gemacht, wobei beim zweiten Mal noch mal ¼ Palmwein hinzugefügt wird. Nach dem zweiten Brennen hat man dann Akpeteschi, der ein bisschen an Tequilla erinnert, nur deutlich stärker ist, so an die 50%. Eine interessante Regel hat uns der Vater erklärt. Wenn man dort Alkohol kauft, muss der Verkäufer immer vor den Augen des Käufers einen Schluck nehmen, um zu zeigen, dass der Schnaps oder Palmwein nicht giftig, oder sonst wie gefährlich ist. Find ich sehr gut, weil so ganz Vertrauen erweckend mir das Ganze ja nicht aussah. Auch der Vater von Harriet hat immer als erster vom Palmwein oder Akpeteschi getrunken um uns zu beweisen, dass es ungefährlich ist. Nach der Destille ging es dann zum großen Brunnen des Ortes, der elektrisch Wasser in einen Tank auf fünf Meterhöhe gepumpt hat, damit immer Vorrat da ist. Für dieses Wasser müssen die Dorfbewohner aber bezahlen, dafür ist das Wasser viel sauberer. Zuerst dachten wir neben den Wasserhähnen stehen Duschen, bis zwei Ghanaerinnen mit Eimern auf dem Kopf kamen, sich darunter gestellt haben und so die Eimer gleich auf dem Kopf befüllt haben. Das ist vor allem nützlich, wenn sie niemanden dabei haben, der ihnen beim Heben des doch sehr schweren Eimers auf den Kopf helfen kann. Das war der Freitag. Für Samstag hatte der Vater, ich nenne ihn jetzt nur noch Kwame, weil ich den Rest seines Namens vergessen habe, so einiges geplant. Er hatte sich so viele Gedanken zu unserer Unterhaltung in seinem Dorf gemacht, das war echt der Wahnsinn. Nach dem Frühstück vor seinem Haus ging es als erstes auf sein Feld. Man muss dazu sagen, er war 27 Jahre lang Arbeiter in den Goldminen und hat sich jetzt in seinem Ruhestand als Hobby einen kleinen Hof aufgebaut. Er produziert Palmöl, baut Orangen an, Pepper, Cassavawurzel und hat noch dazu einen Stall in dem er Hühner hält. Bevor wir jedoch auf seine kleine Palmen/Orangenplantage gegangen sind, wollte er uns unbedingt Kokosnuss essen lassen. Wir haben sie direkt von der Palme „gepflückt“ bekommen. Ich muss leider sagen, dass mir so eine Frische Kokosnuss nicht besonders zusagt, weil mir erstens die Milch nicht schmeckt, und das Innere, was bei uns immer Hart ist, bei einer frischen Kokosnuss noch weich und fast schon schleimig ist. Trotzdem war es ein Erlebnis mal so was direkt von der Palme zu bekommen. Auf seiner Plantage hat Kwame uns dann ganz stolz jede einzelne Pflanze, von der Bananenstaude bis zu Tabakpflanze gezeigt. Wo man zunächst nur Bananenstauden gesehen hat verstecken sich dazwischen noch unzählige andere essbare Gewächse. Nach der Besichtigung der Plantage ging es wieder zurück zu seinem Haus, wo es zum eigentlichen Teil seiner Hoftour. Sie wollten für uns Kochen, und dafür wurden zwei Hühner geschlachtet. Der Schlachtvorgang war recht makaber, weil Kwame die Bibel wörtlich nimmt und somit das Huhn lebendig sein muss beim Ausbluten. Die Eva wollte gar nicht erst hinschauen, deswegen habe ich das ganze einfach mal gefilmt. Dann wurden die Hühner gerupft und ausgeweidet. Danach hatte ich dann erstmal keine Lust mehr auf Huhn und musste mich kurz hinlegen, weil mir so schlecht war. Vor allem nachdem ich gesehen hatte, was alles mit in den Topf zum Kochen kommt. Da waren die Nieren, das Herz, die Leber und zu guter letzt den Magen. Zum Glück konnten wir Kwame verständlich machen, das wir eigentlich nur das Fleisch essen wollten, und beim Essen durften wir uns dann selber das nehmen was wir wollen. Wie immer und bei so vielen Sachen wurde auch hier das Huhn nach dem Kochen noch einmal frittiert. Es ist echt der Wahnsinn, dass sie einfach alles frittieren. Bananen, Huhn, Fisch, Yamwurzel, Reis…

Und dann fragen mich die Lehrerinnen in der Schule, was sie machen können, damit sie nicht so dick sind.

Nach meiner Erholungsphase vom Schock über die Eingeweide konnte ich dann doch von dem Huhn essen, was übrigens super gut war.

Nach dem Mittagessen ging es dann zum See Busumtwe, einem See in einem Meteroitenkrater, sprich einem stehenden Gewässer. Auch hierfür wurde uns wieder Essen zubereitet, diesmal frittierte Kochbananen mit Bohnen. Das schlägt ganz schön im Magen ein, vor allem weil die Bohnen so wahnsinnig ölig sind. Der See war echt super schön. Auch wenn er nicht so groß aussah hat er einen Durchmesser von knapp 16 Kilometern. Der einzige Kritikpunkt ist wohl die Temperatur des Sees die bei gefühlten 30 Grad lag. Zum abkühlen ist dieser so gar nicht geeignet. So viel zum Samstag, ein toller Tag.

Der Sonntag war dann von der Hochzeit und unserer Heimfahrt bestimmt. Die Hochzeit war super langweilig, was vor allem daran lag, dass wieder alles auf Twi war, man somit kein Wort verstanden hat und außerdem hatten wir so beschissene Plätze, dass wir ncihmal das Brautpaar sehen konnten. Die Boxen waren mal wieder viel zu laut, und trotzdem wurde ins Mikro geschrieen. Da bevorzug ich doch echt lieber die Verlobungsfeier, da gibt es wenigstens noch Essen. Insgesamt war aber das Ganze Wochenende ein super Kurzurlaub um mal wieder hier aus dem Schulalltag raus zu kommen und vor allem super um mal ein traditionelleres Leben zu sehen. Ach ja, was ich fast vergessen hätte, als wir am Samstag die Mutter von Kwame, sprich Harriets Großmutter besucht haben, um uns von ihr zu verabschieden, hat sie gleich nach mir gefragt, um mir mitzuteilen, sie wolle mir eine ihrer Enkelinnen zum Heiraten geben. Als ich dann gesagt habe, ich bin schon in Deutschland vergeben, dahat sie nur gelächelt und gemeint, hier könnte ich ja dann auch noch eine Ghanaerin Heiraten, das geht schon. Ich hab dann aber trotzdem nicht zugesagt, ich steh ja nicht so aufs Blindheiraten…

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2 Antworten zu Der Kurzurlaub

  1. dennisinghana schreibt:

    Bilder folgen in Kuerze, nur war das Internet hier heute einfach viel zu langsam

  2. Fredrik schreibt:

    Gefaellt mir, dass hier haeufig gepostet wird.

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