Der Urlaub

Da bin ich mal wieder. Nachdem ich mir jetzt echt lange Zeit gelassen hab, einen neuen Bericht zu schreiben, kann ich jetzt nicht auf jeden einzelnen Tag eingehen, sondern nur einen Überblick geben. Da wir ja  noch 2 Wochen Urlaub hier hatten, bis die Schule „losgeht“ sind wir schleunigst aufgebrochen, um was vom Land zu sehen und nicht hier aufm Campus zu versauern, wo in der Ferienzeit eh nichts los ist. Als erstes sind wir, also alle Freiwilligen (7 an der Zahl), mit Jessica, einer ehemaligen Freiwilligen in den Norden, in die Stadt Tamale gefahren. Wie auch sonst ging es dorthin über holprige Straßen. Diesmal in einem bei weitem nicht so bequemen, aber dafür umso günstigeren Bus (Immerhin gab es keinen Fernseher).

In Tamale angekommen, haben wir uns als erstes auf die Suche nach einem Hotel gemacht. Da es aber nicht genug Zimmer mehr gab, sind Konrad und ich in ein anderes „Hotel“ gegangen. Dieses befand sich in den Polizei Baracken, wodurch wir mit einem eher mulmigen Gefühl dort eingezogen sind. Man muss dazu sagen, dass die Polizei in Ghana einen echt miesen Ruf hat. Dafür war das wohl die billigste Variante die wir in ganz Tamale bekommen konnten, für sage und schreibe 3,5€ für ein Doppelzimmer. Da wir eh nur eine Nacht bleiben wollten, haben wir einfach über das Gemeinschaftsbad hinweggesehen. Da wir am nächsten Morgen um 6 schon beim Ticketverkauf für die Weiterfahrt sein mussten, war die Nacht eh verhältnismäßig kurz. Wie zu erwarten, standen wir um viertel vor 6 vor einem leeren Schalter, wo uns gesagt wurde, der Verkäufer würde gleich kommen. Gleich ist hier in Ghana wie gesagt kein gleich wie wir es kennen. Gleich heißt hier eher so viel wie er kommt im laufe des Tages, aber wir wissen nicht wann. Dies hatte zur Folge, dass um ca. viertel nach 7 endlich wer kam, um die Tickets für den Bus, der am Nachmittag fuhr, zu verkaufen.

An besagtem Nachmittag saßen wir dann endlich im (viel zu engen) Bus. Wir waren noch nicht mal losgefahren, da entbrannte schon eine hitzige Diskussion zwischen einer ziemlich massiven Frau und einem Mann. Es ging darum, in welcher Reihenfolge die Sitzplätze verteilt sind, sprich wer von beiden den Fensterplatz bekommt. Da die Ghanaer für ihr leben gerne diskutieren, war bald der halbe Bus am stehen und aufeinander einreden. Dies wurde irgendwann so laut und aggressiv zwischen zwei Männern vor mir, dass der, mittlerweile losgefahrene Bus, angehalten hat und der Busfahrer ihnen drohte, sie beide raus zu werfen.

An unserem Ziel angekommen, dem Mole Nationalpark, erwartete uns auch schon gleich die erste Überraschung. Als die Mädels ihr Zimmer beziehen wollten, mussten sie feststellen, dass eine Wildschweinmutter mit ihren zwei Ferkeln vor ihrer Tür lag. Da wir alle nicht wussten, wie wir die Wildschweinfamilie umgehen oder loswerden sollten, haben wir eine Mitarbeiterin des Nationalparks geholt. Diese hat uns dann ziemlich doof dastehen lassen, sie hat einfach mit einem Stock gefuchtelt, ihn auf die Wildschweine geworfen und sie somit verscheucht.

Für den nächsten Tag war eine Safari geplant. Diese begann dann so um 7 morgens, und ging 2 Stunden lang. Am Anfang waren wir alle ziemlich enttäuscht, weil die ersten 20 Minuten hat uns der Führer einfach auf Straßen durch den Park geführt. Dann aber ging es doch noch in den Busch, wo wir dann Antilopen von weitem durch die Bäume hindurch beobachten konnten, was eher unspannend war. Die Elefanten, weswegen ich dort hingefahren bin, haben wir dann aber doch noch gesehen.

Mole Nationalpark

 

Am Rückweg zum Hotel sind wir dann durch ein kleines Dorf gekommen, wo der gesamte Fußballplatz (Es gibt in jedem noch so kleinen Ort irgendeinen Fußballplatz) von Affen und Wildschweinen besetzt war.

Apropos Hotel. Die Lage vom Hotel war einfach atemberaubend. Es lag auf einem Hügel mitten im Nationalpark, und direkt oberhalb von einer Wasserstelle, wo Tagsüber immer wieder verschiedene Tiere beim trinken zu beobachten waren. Der Hammer.

Die Lage machte sich aber auch im Preis bemerkbar, da man für ein Abendessen nicht die üblichen 50cent – 1€ zahlen musste sondern gleich mal das Zehnfache.

Naja, egal. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Wir haben dann noch eine Nacht dort verbracht, und sind dann morgens um halb 5 zurück nach Tamale aufgebrochen. Da wir uns dort aber nicht stressen lassen wollten, beschloss die männliche Hälfte unserer Gruppe eine Nacht noch dort zu verbringen, und dann morgens wieder nach Kumasi bzw. Denchemouso zu fahren.

Wegen den vielen und vor allem anstrengenden Busfahrten war ich dann wahnsinnig froh endlich wieder bei uns im Dorf zu sein und mal wieder Ruhe zu haben. Deswegen war mein Plan auch zunächst nicht mit den anderen am übernächsten Tag gleich wieder weiter zu fahren, sondern einfach die Ruhe zu genießen.

Aber schon der nächste Tag des Nichtstuns war so langweilig, dass ich doch mitgefahren bin.

Diesmal ging es jedoch nach Süden, in Richtung der Hauptstadt in einen Ort namens Kouforidia oder so. Ich weis bei den Orten hier nie so ganz genau, wie sie jetzt ausgesprochen, geschweige denn geschrieben werden.

Dort wollten wir zum einen auf den Perlenmarkt, und zum anderen einen Wasserfall anschauen. Der Hinweg war im Nachhinein der deutlich angenehmere von beiden, aber in dem Moment war es grausam. Wie üblich waren wir früh aufgestanden, und dementsprechend müde während der Fahrt. An schlafen war aber in keinem Fall zu denken, da in jedem noch so kleinen Ort wo wir durchgefahren sind, und deren gab es viele, mindestens 3 – 4 „Geschwindigkeitsbegrenzungshuckel“ waren. Den Fahrer hat es wenig gejuckt mit fast unvermindertem Tempo darüber hinweg zu fliegen.

Am selben Nachmittag noch waren wir dann aber auf besagtem Perlenmarkt, wo es Glasperlen, in den umliegenden Orten produziert, gab.

Für den nächsten Tag war der Besuch des Wasserfalles, mit vorheriger Wanderung durch den (meiner Meinung nach) Regenwald geplant. Wir hatten uns 2 Taxifahrer engagiert, die uns hinfahren, 2 Stunden auf uns warten und uns dann wieder heimfahren sollten, aber dazu gleich mehr. Nach der Wanderung in ein kleines Tal rein und dann hoch zu einem heiligen Stein und einer dreistämmigen Palme, haben wir uns an den Wasserfall gewagt.

Boti Waterfalls

Das Bild kann nur sehr abgeschwächt die Faszination des Wasserfalls zeigen. Leider ist mein Kameraobjektiv nicht von dem Sprühnebel des Wasserfalls verschont geblieben, was die Bildqualität der Fotos eingeschränkt hat. Nachdem wir vielleicht 10 Minuten vor dem kleinen See am Fuße des Falls gestanden hatten, waren wir fast komplett durchnässt. Genau so habe ich mir die Tropen vorgestellt. Ich freu mich auch schon drauf noch mal richtig in den Regenwald zu gehen. Allein schon die abgeschwächte Form in diesem Gebiet hat einen Ausblick auf die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen gegeben.

Auf dem Rückweg vom Wasserfall haben wir uns dann noch in einem kleinen Ort von den Taxifahrern absetzen lassen. Dort sind wir dann in einen Glasperlenproduktion gegangen. Es war  ein Projekt zur Förderung Alleinerziehender Mütter aus der Gegend. Wir haben eine kleine Führung bekommen, und haben uns dann noch ein Paar Ketten, Ohrringe und Armbänder angeschaut und auch wieder mal gut eingekauft.

Irgendwann kam dann einer der Taxifahrer rein und gab uns dadurch zu verstehen, dass er bald mal gerne fahren würde. Man hat ihm leider nur ziemlich schnell angesehen, wie er sich die Wartezeit vertrieben hat. Schon als wir vom Wasserfall losgefahren sind, haben wir uns über die seltsame Fahrweise des Fahrers gewundert, da er wahnsinnig langsam gefahren ist, und bei jeder Kurve auf der Landstraße geblinkt hat. Als er dann in der Perlenfabrik in der Tür stand hat man ihm endgültig angesehen, dass er total zugekifft war.

Zum Glück hat er uns dann doch sicher nach Kouforidia zurück gebracht. Als wir dann da waren, wollte er dann aber plötzlich 5€ mehr für die Wartezeit. Dadurch ist dann einen spitzen Diskussion entstanden, weil wir es eine absolute Frechheit fanden, dass er sich zudröhnt in der Zeit, und es dann trotzdem als Arbeitszeit deklariert. Das haben wir ihm so gesagt, aber ihm war nicht mal irgendetwas unrechtes daran bewusst, bekifft Auto zu fahren. Er meinte, solange es niemand sieht, also er’s Zuhause oder im Gebüsch macht ist es ja nichts was unsere Angelegenheiten betrifft.

Wir sind dann aber doch noch darauf eingegangen, ihm mehr zu zahlen. Diskussionen locken in Ghana immer Menschen an, die einfach mit einsteigen, auch wenn sie keinen der beiden Seiten kennen. Da im Zweifel die Leute für die Ghanaer gewesen wäre, wollten wir nichts drauf ankommen lassen.

Nachdem es mal wieder ein wahnsinnig schwüler Tag war, war ich danach so K.O. , dass ich im Hotel einen Mittagsschlaf machen musste und dann trotzdem noch früh ins Bett gegangen bin. Das passiert mir hier eigentlich so gut wie jeden Tag. Abends um 9 bin ich schon so kaputt, dass ich die Augen nur noch mit Mühe offen halten kann.Dafür wacht man schon um 7, oder noch früher auf und ist fit.

So nun zur Rückfahrt, meiner bisher traumatischsten Tro-Tro fahrt. Tro-Tros sind übrigens kleine Transporter, für 12 – 15 Personen, der als Busersatz dient, aber deutlich unbequemer ist. Dafür umso billiger. Mein Platz war so ziemlich der grausamste den man in dem Teil bekommen konnte. Direkt vor dem, viel zu lauten, Fernseher, wo 4,5 Stundenlang irgent welche verdammt schlechten ghanaischen Filme liefen. Daher mein neuester Vorsatz: Beim nächsten Mal warte ich lieber zwei Stunden aufs nächste Tro-Tro, als eins mit Fernseher zu nehmen.

Ach übrigens: Ich bin jetzt doch nicht Vegetarier, aber ich ess wirklich nur Fleisch, das ich als solches erkennen kann, wie zum Beispiel die Hendlschenkel, dies bei uns im Ort gibt. Von allem anderen, vor allem Fisch lass ich aber wirklich die Finger.

Seit Sonntag sind wir nun hier, und die erste „Schulwoche“ hat sehr unspannend begonnen.

Am ersten Schultag, dem Dienstag, war noch am meisten Action geboten. Wir wurden der Schulleiterin vorgestellt, die ich seit dem nicht mehr gesehen, weil sie immer zu spät kommt. Das heißt, selbst wenn ich um 11 nachfrage, bekomm ich als Antwort: She is late. She will come soon. Nachdem wir der Schulleiterin vorgestellt wurden war der Schultag aber auch schon wieder vorbei, weil in der ersten Schulwoche wird in Ghana immer das Schulgelände wieder auf Vordermann gebracht, was heißt dass eh nur die Hälfte der Schüler da ist, weil der Rest sich um die Arbeit drücken will. Also was habe ich die Woche gemacht? Ich war Slacklinen, was gleich ein Paar Ghanaer angelockt hat, die in etwa mein Alter waren. Einer war wahnsinnig motiviert, eh hat die ganze Zeit gemeint: Teach me! I want to do it perfect!

Als Belohnung hat er schon nach einer halben Stunde ein Paar schritte geschafft. Danach hat er mir auch gleich  seine Nummer in die Hand gedrückt, damit ich anrufen kann, sobald ich wieder gehen will.

Dann versuche ich jeden zweiten Tag joggen zu gehen, was die Ghanaer gar nicht verstehen. Immer wieder auf meiner Strecke fragen mich die Leute, warum ich renn. Anscheinend ist wirklich der einzige Sport, den sie als sinnvoll erachten, Fußball. Die Strecke ist eh ziemlich abenteuerlich, weil man erstens dauernd dass Gefühl hat bei den Leuten durchs Wohnzimmer, oder über die Baustelle rennt. Zur Info: Man sieht selten ein fertiges Haus, weil ständig an- bzw. weitergebaut wird, und zwar immer so lange, wie Geld da ist. Was aber nicht heißt, dass der Weg von leer stehenden Baustellen gesäumt ist. Nein, die Leute ziehen ein, sobald das Dach hat und leben quasi auf einer Baustelle, meistens einfach noch im Rohbau, auf hartem Betonboden.

Der zweite Abenteuerfaktor ist die Bodenbeschaffenheit. Der Weg ist ständig von Furchen durchzogen, wenn nicht gar von kleinen Bächen, wo man drüber springen muss.

Warum ich so einen Weg entlang jogge, ist ganz einfach: An der Straße wäre es mir bei der hiesigen Fahrweise viel zu gefährlich.

Eigentlich wollte ich den Bericht ja schon nächste Woche hoch laden, aber dann bin ich genau an dem Tag, an dem ich geplant hatte ins Internetcafé zu gehen, krank geworden. Die ersten zwei Tage hatte ich Fieber und Kopfschmerzen. Als ich aber dann am dritten Tag schon morgens um sieben 39°C Fieber hatte, hab ich dann doch beschlossen nach Kumasi rein zu fahren und einen Malaria Test zu machen. Das war am Montag, wo leider immer das Problem ist, dass alle plötzlich in die Stadt müssen, weil sie ja am Tag vorher den ganzen Tag in der Kirche waren. Daher konnten wir nicht einmal direkt bis zum Krankenhaus fahren, sondern mussten noch fast 20 Minuten laufen, was in meinem Zustand ziemlich heftig war.

Als wir dann an der Rezeption nach einem Malaria Test gefragt haben wurden wir erst mal durchs ganze Krankenhaus geschickt, um dann fest zu stellen, dass wir erst ein Formblatt ausfüllen müssen. Also noch mal zurück zur Rezeption. Da haben wir dann erfahren, dass wir entweder erst zum Arzt gehen, oder gleich zum Labor und einfach nur den Test machen können. Ich war zu dem Zeitpunkt eh schon so fertig, dass ich gesagt hab, ich will nur den Test machen, und dann wieder ins Bett. Im Labor musste ich dann zwar nur 10 Minuten warten, bis mir Blut abgenommen wurde, dafür lies das Ergebnis dann fast 2,5 Stunden auf sich warten. Das Ergebnis war negativ, was mir aber auch nicht viel gebracht hat, weil dadurch wusste ich nur, was ich nicht hab. Den Tag über wurde das Fieber dann immer noch nicht besser sodass ich gesagt hab, wenn es bis Mittwoch nicht gesunken ist, geh ich doch noch zum Arzt.

Am Dienstag morgen hatte ich dann gleich mal 40,5°C Fieber. Aufgrund dessen sind wir dann doch schon am Dienstag ins Krankenhaus gefahren. Zum Glück hatten wir einen Schüler von unserer Schule mitgenommen, der sich dort mit den Leuten auf Twi verständigen konnte, was die Lage deutlich vereinfacht hat. Trotz alle dem mussten wir über zwei Stunden darauf warten, dass wir überhaupt einen Zettel bekommen, um uns in der zweiten Schlange anzustellen. An der hätte man wahrscheinlich mindestens vier Stunden warten müssen, nach der Geschwindigkeit der Schlange zu urteilen. Zum Glück haben wir in dem Moment andere weiße getroffen, die uns dann gesagt haben, man muss einfach zum Notfallschalter gehen, und sagen, es ist extrem dringend. Das haben wir gemacht, und knapp 10 Minuten später saß ich beim Arzt. Der hat mir dann zu meinem Erschrecken gesagt, dass ich schon Malaria hab, auch wenn der Test negativ ist. Er meinte, das kann vorkommen. Daraufhin wurde ich in ein Krankenzimmer gebracht, wo ich an eine Infusion gehängt wurde. Nach 3 Stunden war diese dann endlich durchgelaufen, und Philipp und ich freuen uns gerade, dass wir endlich gehen können, da kommt die Schwester, und holt einfach einen neuen Beutel raus. Das war schon ein schwerer Schlag.

Nach 10 Stunden Krankenhaus durften wir dann aber endlich gehen.

Seit dem sitz ich hier den ganzen Tag rum. Das Fieber und die Kopfschmerzen sind weg, aber wirklich fähig etwas zu machen, oder mich weiter als 100 Meter vom Zimmer zu entfernen bin ich noch nicht wirklich gewesen.

Mal schauen was der heutige Tag bringen wird.

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