Gold und Meer

Wow. Schon der dritte Advent. Und ich sitze hier in Ghana und würde echt gerne mal wieder eine Nacht schlafen, ohne dabei wie ein Pferd zu schwitzen.

Aber beginnen wir mal bei den letzten zwei Wochenenden, da war echt mal wieder was geboten. Die Wochenenden sind hier echt wahnsinnig langweilig, wenn wir nicht was unternehmen. Deshalb haben wir auch vorletztes Wochenende beschlossen in die Goldmienen zu fahren. Diese sind knapp eineinhalb Stunden Busfahrt von Kumasi entfernt, in Obuasi. Dort waren wir auch schon für die Hochzeit von Harriets (Für Neueinsteiger: Die Schneiderlehrerin der Schule) Cousine.

Der Plan war, um sieben in Obuasi anzukommen, da man als Besucher nur Vormittags in die Goldmienen darf. Deshalb sind wir hier um fünf mit dem Taxi zur Busstation gefahren. Wir, das waren die üblichen Verdächtigen, Philipp, Sabine, Lea, Eva, Ich und zu guter Letzt Harriet mit Tochter. Die ist mitgefahren, weil der „Vater ihres Sohnes“, so wurde er uns vorgestellt, Charles dort arbeitet und uns deshalb leichter da rein gebracht hat. Unser Zeitplan wurde dann leider durchkreuzt, weil gefühlt halb Kumasi nach Obuasi fahren wollte. Uns erwartete also eine ewig lange Schlange. Als wir dann am Schalter waren, haben Philipp, Eva und Ich Tickets bekommen, als plötzlich ein riesen Tumult entstanden ist, wo alle durcheinander geschrieen haben. Als ich Harriet gefragt habe, warum sie sich so aufregt, hat sie mir erklärt, dass der Mann am Schalter die Hälfte der Tickets zur Hintertür an Freunde von ihm verkauft hat, die sich nicht anstellen wollten. Der Rest hat dann aber auch noch Plätze in dem Bus bekommen und so konnte die Reise neben einer viel zu dicken Ghanaerin beginnen.

In Obuasi angekommen hat uns Charles mit einem Jeep der Betreiberfirma der Goldmiene abgeholt. Der war echt nicht schlecht, Klimaanlage! und eine Beschleunigung hatte der, das ist man hier sonst überhaupt nicht gewohnt von den Taxis mit denen man hier so rum fährt.

Erstmal ging es in das Tourismusbüro der Goldfirma, um uns anzumelden. 15€ mussten wir pro Person zahlen und ich musste noch mal 5€ drauf zahlen, damit ich meine Kamera mit rein nehmen durfte. Das kam mir auch ein bisschen komisch vor, weil überall Schilder hingen, dass Fotografieren in der Miene strengstens verboten ist. Wahrscheinlich gingen die 5€ einfach an die Frau an der Anmeldung, damit die kurz mal weg schaut.Golderz

Nachdem wir in wahnsinnig chice  orange Anzüge gesteckt wurden und einen Sauerstoffbehälter für Gasunfälle bekommen hatten, ging es in Charles´ Jeep auf zu den Förderschächten. Derer gibt es in Obuasi fünf. Zur Ausrüstung kam jetzt noch eine Grubenlampe hinzu, was insgesamt dann alles schon recht schwer wurde.

 

 

 

 

 

Eigentlich waren wir eh schon zu spät dran, da man normalerweise nur vor Neun in den Schacht runter darf. Bei uns wurde aber eine Ausnahme gemacht, weil wir ja mit Charles unterwegs waren. Die Regel mit vor Neun kommt daher, dass die Führung knapp zwei Stunden dauert und ab ca. ein Uhr in den Schächten gesprengt wird und da natürlich keine Besucher mehr unten sein dürfen. So ging es also auf 850 Meter Tiefe runter. Es war echt ein Erlebnis. Ich hab zwar nicht wirklich begriffen, dass wir so tief unten sind, aber trotzdem war es ein recht mulmiges Gefühl da runter zu fahren. Unten sind wir dann einen Schacht entlang gegangen und ein Mienenarbeiter hat ein bisschen erzählt. Der hatte eh viel mehr Ahnung, als der Touristenführer, der uns mitgegeben wurde. Der wusste nicht einmal wie tief der Schacht eigentlich ist, oder seit wann dort Gold abgebaut wird. Das echt beeindruckende aber war, dass der Schacht noch in Betrieb war und wir dort einfach rumlaufen durften. So etwas wäre in Deutschland niemals möglich. Das hatte zu Folge, dass der Arbeiter uns plötzlich zu geschrieen hat, dass wir so schnell wie möglich an die Wand gehen sollen, weil eine Maschine vorbei gefahren ist. Uns wurde noch die Werkstatt gezeigt, wo alles gleich unter Tage repariert wird. Dann sind wir in einen Tunnel gegangen, in dem Gleise verlegt waren. Dort sind wir eine Weile lang unbehelligt entlang gegangen, bis wir wieder angefahren wurden so schnell es nur geht in eine Nische zu kommen, weil ein Förderzug gekommen ist. Dem sind wir dann gleich gefolgt, bis er an einer Umladestation gehalten hat. Dort wurde der Inhalt der Waggons in eine große Grube gekippt und mit einem riesigen Pressluftbohrer durch ein Gitter gedrückt. Wir haben dann erfahren, dass unter dem Gitter 200 Fuß Nichts ist, bis das Erz im weiter unten gelegenen Level landet. Was in den Waggons transportiert wurde, war das Golderz, das in dem Schacht gefördert wird. An der Verladestation kommt sämtliches Erz, das in dem Schacht abgebaut wird vorbei, fällt dann ins tiefere Level und wird dort mit einem weiteren Zug zum Förderschacht und an die Oberfläche gebracht. Nach der Verladeaktion sind wir dann wieder zum Lift gegangen und nach oben gefahren. Auch wenn ich kein beengendes Gefühl dort unten hatte, war ich echt froh wieder an der Oberfläche zu sein. Die Luft ist einfach komisch dort unten, nur künstliches Licht, alles keine Umgebung, für die der Mensch gemacht ist. Beim rausgehen wurden wir dann sogar noch mit einem Metalldetektor abgetastet, dass wir auch ja nichts mitgehen lassen.

Wir wurden dann wieder von Charles mit seinem Superjeep abgeholt. Der hat uns dann gefragt, ob wir nicht noch was essen gehen wollen. Da wir ausgehungert vom andern Stern waren, haben wir einfach mal ja gesagt. Wir dachten auch eher daran einfach in eine Chopbar zu fahren und dort Fufu essen zu gehen. Er aber hatte da anscheinend andere Vorstellungen und so ging es erst einmal ein Stück aus Obuasi raus, bis wir an einen Golfplatz kamen. Dort im Clubhaus also sollten wir essen? Nach einem Blick auf die Karte ist mir erstmal anders geworden. Zum einen, weil es Spaghetti Bolognese!! gab, zum anderen aber, weil die Preise nicht zu verachten waren. Das Fufu hat zum Beispiel sechs Cedi, sprich 3€ gekostet. Als uns Charles gefragt hat, was wir trinken wollen und wir abgelehnt haben, meinte er, er würde uns auf alles einladen, also sollten wir nicht geizen. Es war gerade mal ein Uhr Mittags und er stand schon mit einem Whiskey da und wollte uns unbedingt ein Bier bestellen. Wir haben ihm dann erklärt, dass Alkohol und die Mittagshitze keine so gute Kombination für uns ist. Das hat er so lange akzeptiert, bis eine Wolke vor der Sonne war, da hat er dann gleich gesagt, jetzt sei es kälter, also könnten wir nun auch ein Bier trinken.

Aber zurück zum Fufu. Das war nämlich so unbeschreiblich gut, das mit Abstand beste, was ich bis jetzt gegessen habe, also auch seinen Preis wert. Nach dem Essen und einer weiteren runde Bier, die er uns aufgedrängt hatte, ging es dann zurück in Richtung des Busbahnhofes. Dort sind wir aber nur kurz vorbei gefahren, weil Charles meinte, die Schlange am Schalter sei zu lang, wir sollten erstmal noch mal woanders hinfahren und die Zeit vertreiben. Die Logik hat sich mir nicht so ganz erschlossen, weil dadurch die Schlange ja auch nicht kürzer geworden ist. Aber wir haben einfach mal gefolgt und sind mit ihm wieder auf das Gelände der Goldfirma gefahren. Dort sind wir in den Tennisclub der Firma gefahren um noch mal was zu trinken.

Da merkt man die gewaltigen Disparitäten in Ghana. Den Menschen geht es ja generell für ein afrikanische Land recht gut, aber die, die wirklich Geld haben, haben dann gleich so viel, dass sie mit einem dicken Auto rum fahren (Ein eigenes Auto ist hier ein Zeichen von Geld), Golf spielen, oder eben fleißig sonst Geld raus hauen. Ich kam mir da schon recht komisch vor in diesem Golfclub zu sitzen, wo nur reiche Ghanaer, oder Weiße waren. Die Weißen sahen auch gleich so aus, als würden sie bei der Goldfirma arbeiten und die Ghanaer übers Ohr hauen. Ja ich weis, ich hab schnell Vorurteile gegenüber Menschen, aber irgendwie hat mich die ganze Goldmiene an den Film Blood Diamond erinnert.

Nach dem Tennisclub jedenfalls hat Charles dann (oh Wunder) festgestellt, dass die Schlange am Busbahnhof immer noch nicht kürzer geworden ist. So hat er uns vor die Wahl gestellt: Entweder in Obuasi im Clubhaus übernachten und dann morgens nach Kumasi zurück fahren, oder er fährt uns in seinem eigenen Auto nach Hause. Ich für meinen Teil war nicht so begeistert, eine Nacht in Obuasi zu verbringen, daher hab ich dafür gestimmt uns von ihm Heim fahren zu lassen. In Deutschland würde ich niemals bei jemand ins Auto steigen, der schon zwei Whiskey und drei Bier intus hat, aber hier in Ghana bin ich da irgendwie lockerer. Was auch daran liegen mag, dass die Taxifahrer auch meistens betrunken sind, oder gekifft haben. Also dachten wir uns, bei Charles mitfahren passt schon, der hat eh noch einen recht frischen Eindruck gemacht.

Die Woche über ist dann eher wenig aufregendes passiert, es war einfach der ganz normale Schulalltag, wo gern mal ein Tag keine Schule ist, weil entweder eine Beerdigung ist, wo fast alle Lehrer sind und der Rest dann auch nicht unterrichten will, oder ein Fußballspiel, bei dem die Hälfte der Schule anwesend sein muss. Ich versteh einfach nicht, warum solche Turniere immer unter der Woche statt finden müssen, noch dazu vormittags und am besten noch in der Woche vor den Prüfungen.

 

Letztes Wochenende. Das war echt Wahnsinn. Freitagmorgen ging es auf Richtung Süden, sprich ans Meer. Endlich! Morgen ist vielleicht ein bisschen der falsche Ausdruck, halb sechs war Treffpunkt mit den anderen. Die anderen waren Konrad, Jakob und noch 15 andere Freiwillige von anderen Organisationen, die wir hier kennen gelernt haben. Der Plan war, fünf bis sechs Stunden zu brauchen und dann mittags noch ins Meer springen zu können. Wie so oft war die deutsche Zeitgenauigkeit total sinnlos. Nach acht Stunden waren wir erst an der Küste in Cape Coast.

Von dort aus ging es dann die Küste entlang nach Westen. Bis wir bei einer Polizeikontrolle plötzlich raus gezogen wurden. Zuerst dachten wir, die Polizisten hätten das mal wieder nur gemacht, weil sie gesehen haben, dass Weiße im Trotro sitzen und nun erwarten, dass sie mit einem Euro geschmiert werden, damit der Fahrer weiter fahren darf. Als dieser nun ausgestiegen ist, haben die Polizisten angefangen auf ihn ein zu schreien. Dann ist, wie ich vermute der Chef der Kontrollstation gekommen und hat auch zuerst den Fahrer angeschrieen, als der aber dann wieder einsteigen wollte, hat der Polizist ihm mehrmals ins Gesicht geschlagen und mit auf die Station genommen. Das war mal wieder ein Schock. Ich bin ja jedes Mal wieder geschockt, wenn Kinder in der Schule geschlagen werden, aber so was. Mitten auf der Straße schlägt der Polizist dem Mann ins Gesicht und niemand unternimmt was. Die ganze Aktion hatte dann zur Folge, dass wir dort nun rum standen und gar nicht wirklich wussten was der Fahrer nun falsch gemacht hat. Ein paar sind dann auf die Wache mit gegangen, um zu erfahren, was eigentlich los ist. Der Fahrer steckte mittlerweile im Gefängnis. Sein Vergehen: Er war an der vorherigen Polizeikontrolle einfach durchgefahren, die Station hat dann  die Nächste, sprich die wo wir nun standen angerufen, sodass die uns raus ziehen konnten. Der Grund dafür, dass der Fahrer weiter gefahren ist, war, dass er keinen Führerschein hatte. An sich hier ja gar kein Problem. Wenn Taxifahrer nach ihrem Führerschein gefragt werden, geben sie oft einfach zwei drei Cedi her und die Sache ist gegessen. Darauf hatte unser Fahrer anscheinend keine Lust. Zum Glück kannte einer der anderen Freiwilligen einen Taxifahrer, der wiederum einen Polizisten kennt, der an der Küstenstraße stationiert ist. Dieser kam dann zu unserem Kontrollpunkt und hat raus gehandelt, dass der Fahrer gegen Kaution wieder frei kommt und sogar weiter fahren darf. Die Kaution war echt gesalzen, 150 Cedi, was fast dem Monatsgehalt der Sekretärin unserer Schule entspricht. Hätte er doch lieber mal die zwei Cedi an der ersten Kontrolle abgedrückt.

Immerhin ging es dann nach zweieinhalb Stunden weiter in Richtung Urlaub. Nach elf Stunden Fahrt sind wir dann schlussendlich in der Lodge angekommen. Und ich muss sagen, die elf Stunden Fahrt haben sich so was von gelohnt. Es war einfach traumhaft, genau so, wie man sich einen Karibikstrand vorstellt. Die Lodge bestand aus kleinen Holzhütten für insgesamt 30 Gäste. Der Strand war 50 Meter weit weg. Am Strand hingen unter Palmen Hängematten und wir konnten uns noch den Sonnenuntergang anschauen.

Der erste Abend

Am ersten Abend sind wir in der Lodge geblieben und haben am Strand gelegen und spiele gespielt. Am nächsten Morgen bin ich dann um sechs aufgestanden, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider war ich schon zu spät dran und die Sonne war schon relativ hoch. Dafür bin ich dann gleich noch am Strand joggen gegangen, was ich ja eh liebe, aber dann noch an so einem Strand, das war echt unbeschreiblich.

Vormittags lagen wir dann am Strand, oder besser gesagt waren im Meer. Die Wellen waren echt der Wahnsinn. Dann ist Konrad auch noch mit einem Surfbrett angekommen, das er sich ausgeliehen hatte. Das weitere Tagesprogramm war nun also auch schon bestimmt. Auch wenn ich es zum ersten Mal versucht habe, und das längste Mal drauf stehen vielleicht drei Sekunden betrug, hat es so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich noch einmal eine Sportart entdecke, die mir nach einmal probieren so viel Spaß macht. Es war einfach super mal wieder richtig Sport machen zu können. Kein Klettern, kein Mountainbiken und natürlich auch kein Snowboarden. Ich merk einfach, wie mir der Sport hier fehlt und dann noch das ewig ölige Essen. Nur Joggen gehen ist da auch keine wirkliche Alternative.

Eine Sache hat ausnahmslos jeder bekommen, einen Sonnenbrand. Trotz zweimal eincremen, was ich hier sonst gar nicht mache, hatte ich einen Ganzkörpersonnenbrand. Ich bin zwar die Sonne mittlerweile gewohnt wenn ich einfach nur draußen bin, aber am Strand und dann noch fast den ganzen Tag im Wasser, das ist dann wohl doch zu viel des Guten.

Abends sind wir in die nächste größere Stadt gefahren, da dort ein Festival statt gefunden hat. Noch dazu  war die Bühne direkt am Strand. Am Anfang war mir noch ein bisschen zu viel ghanaische Musik, sprich Hiplife und Highlife. Dann gegen Ende aber wurde auch mal mehr elektronisches Zeug gespielt, was fast schon an Drum and Bass oder Dubstep erinnert hat. Da hat es dann schon deutlich mehr Laune gemacht.

Trotz wenig Schlaf bin ich am nächsten Morgen so früh wie möglich aufgestanden, um noch Zeit zum Baden zu haben und nicht ewig aufs Frühstück warten zu müssen. Apropos Essen, das war in der Lodge echt ein Witz. Als wir am ersten Abend total ausgehungert dort angekommen sind, gab es für 12! Cedi eine Schüssel Suppe und ein Stück Quiche für jeden. Und so ging es dann auch noch weiter, es gab einfach immer so wenig zu essen, das hat schon an einen Diäturlaub gegrenzt. Vor allem an dem Samstag, nach Stunden im Wasser und Surfen war das eine Qual so wenig zu bekommen.

 

Trotz Radikaldiät war das Wochenende so wunderschön, wenn auch nicht wirklich erholsam, weil man einfach so wenig Schlaf bekommen hat und die Fahrten waren auch immer der Hammer. Da bin ich echt froh, dass wir über Weihnachten länger am Meer bleiben damit man sich auch mal entspannen kann. Es war auch einfach mal so angenehm, dem ständigen Lärm zu entkommen, dem man hier ständig ausgesetzt ist.

Diese Woche waren die Prüfungen für das erste Trimester. Die haben am Mittwoch begonnen, die Lehrer haben aber schon zu Beginn der Woche nicht mehr unterrichtet, sodass ich der einzige war, der noch voller Panik seine letzten Themen durchgeboxt hat. Die Prüfung schreib nämlich nicht ich, sondern die wird mir gestellt. Das bedeutet, dass wenn ich ein Thema aus Zeitmangel nicht durchnehmen konnte, die Schüler einfach blank da stehen. Sau doof. Vor allem weil man hier einfach so wahnsinnig langsam im Stoff voran kommt. Das liegt zum einen daran, dass die Schüler oft nichts verstehen, weil ich ja nur auf Englisch unterrichte, zum anderen aber auch daran, dass ständig der Unterricht ausfällt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal fällt der Unterricht aus, weil mal wieder ein Fußballtunier statt findet und das ja unbedingt Mittwoch vormittags sein muss. Ein andern Mal komm ich in die Schule, und die Lehrer sitzen im Lehrerzimmer und als ich sie dann frage, warum kein Unterricht ist, wird mir nur gesagt, dass die restlichen Lehrer auf einer Beerdigung sind und somit sie auch nicht unterrichten. Dann versuche ich natürlich trotzdem zu unterrichten, was aber einfach nicht möglich ist, weil die Hälfte der Klasse essen holen gegangen ist, 10 noch beim Fußball spielen sind und mit fünf Schülern brauch ich dann auch nicht anfangen.

Also hab ich als einziger am Dienstag noch meine letzte Stunde mit ach und krach gehalten, weil ungefähr nur zwei Schüler zugehört haben und der Rest es nicht eingesehen hat, unterricht zu haben, wenn die anderen Klassen frei haben. Dann gehe ich also zu den anderen Lehrern, beschwere mich über meine viel zu laute Klasse und was kommt als Antwort? „Die Schüler waren einfach nicht darauf eingestellt heute Unterricht zu haben“. Was soll das denn heißen? Wenn sie schon zur Schule gehen sollten sie sich gefälligst auch darauf einstellen, dass sie was lernen müssen. Noch dazu wenn am nächsten Tag genau über das Thema Prüfung geschrieben wird. Jetzt weis ich dafür endlich mal, wie nervtötend die Argumentationsketten von Schülern wirklich sein können.

Also habe ich mich am Mittwoch bei einer Klasse rein gesetzt, um Prüfungsaufsicht zu halten. Wiederum war ich der einzige Lehrer, der das wirklich durch gezogen hat. Ich hatte Aufsicht bei den Form 1, die Aufsicht von der Form 2 hat vor dem Klassenzimmer geschlafen und die von der dritten Klasse war gleich ganz im Lehrerzimmer und hat damit den anderen Lehrern abgehangen. Das hätte mich ja gar nicht so gestört, wenn sie nicht alle 15 Minuten in die Klassen gegangen wären und einen x-beliebigen Schüler geschlagen hätten, der wie der Rest natürlich am Reden war. Auch bei mir kam immer mal wieder die Mathelehrerin rein und hat gschaftelt. Daher hab ich beschlossen, Donnerstag und Freitag Prüfung einfach Prüfung sein zu lassen und einfach nur daheim zu korrigieren. Das war auch wieder so ein Punkt, wo ich mich aufregen musste. Wie kann es sein, dass eine staatliche Prüfung in der Angabe unzählige Fehler enthält und dann auch noch in den für die Lehrer gegebenen Lösungen. Daher musste ich alle Aufgaben noch einmal durchrechnen, was 40 an der Zahl waren. Davon waren echt fünf Mal die Lösungen falsch angegeben. Na ja andere Länder, andere Sitten. Die Lehrer hat das alles nicht so erschüttert, die sind das ja schon gewohnt und wissen damit umzugehen.

Bei solchen Aktionen merk ich erst, wie spießig und genau ich das eigentlich alles aus Deutschland gewohnt bin und auch schätze.

Unabhängig von den letzten Wochen wollte ich auch mal die Vorurteile der Ghanaer uns gegenüber ansprechen. Total oft wird man schon nach zwei Minuten darauf angesprochen, warum man eigentlich in Ghana ist, weil die Deutschen doch keine schwarzen mögen. Wenn man versucht sie dann vom Gegenteil zu überzeugen, hören sie nicht zu, oder sagen einfach ein Freund, der in Deutschland lebt hat das gesagt, also stimmt das schon.

Das andere große, weniger erschreckende, aber dafür um so erheiternde Vorurteil ist, dass wir Deutschen angeblich nur Bier trinken. Das hat für die Ghanaer unterschiedlichen Ursprung. Die Einen meinen, dass wir das Wasser, vor allem in Ghana, nicht vertragen und somit nur Bier trinken. Die Anderen glauben, dass wir in Deutschland durch den zweiten Weltkrieg einen Wassermangel haben und deshalb nur noch Bier trinken. Ich hab echt keine Ahnung, wie die auf so einen Schmarn gekommen sind, lustig ist es aber trotzdem immer wieder wenn sie einen darauf ansprechen.

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Der Kurzurlaub

Lange Zeit war Funkstille, doch jetzt geht’s endlich weiter. Ein Grund war, dass sich so etwas wie ein Alltag eingestellt hatte und ich dann nie so bemerkenswerte Sachen erlebt habe, oder es schlicht und einfach vergessen habe. Mein Bericht wird sich deshalb hauptsächlich um das letzte Wochenende und das davor drehen. Besser gesagt den Freitag vor dem letzten Wochenende. An besagtem Freitag hatte unsere Schule nämlich ein Fußballspiel gegen eine andere Schule aus der Nähe. Es fing schon einmal damit an, dass ein Kleinbus kam, in den die ganze Schule rein passen sollte. Ich hab dann einen Lehrer gefragt, wie denn alle Schüler dort hinein passen sollen, worauf er geantwortet hat: „It will work. This is Ghana“. Zu meiner Überraschung hat dann wirklich fast die ganze Schule, sprich knapp 70 Schüler rein gepasst. Es wurde einfach gestapelt und gestopft, wobei der andere Lehrer und ich vorne massig Platz hatten. Den mangelnden Platz haben sich die Schüler durch die Stimmung im Bus aber wieder wettgemacht, es wurde ein Lied nach dem anderen geschmettert. Da war echt was los.

Bei der anderen Schule angekommen, mussten wir dann aber erst mal eine Stunde warten, bis das Spiel endlich losgehen konnte. Es wurde nämlich alles extrem ernst genommen. Beide Schulteams, es gab sowohl ein Mädchen, als auch ein Jungenteam hatten Trikots an. Bei dem Spiel habe ich mir meinen ersten Sonnenbrand nach knapp 2 Monaten Ghana geholt. Wir haben aber auch erst seit einer Woche wirklich Sonnenschein, weil jetzt dann die Trockenzeit kommt. Nach den Spielen, bei denen unseres Mädels 1:0 verloren haben, und die Jungs 1:1 unentschieden gespielt haben, gab es für die Lehrer Fufu im Lehrerzimmer der Schule. Ich muss sagen, das war das bisher beste, was ich gegessen hatte. Seit dem schmeckt mir Fufu auch wirklich gut. Davor hat mir oft die Konsistenz oder die Suppe nicht zugesagt. Das Fufu war oft zu schleimig, oder die Suppe hat total nach Fisch geschmeckt. In der folgenden Woche haben wir dann auch einmal selber Fufu gemacht, wobei uns eine Schülerin geholfen hat, sprich fast die ganze Arbeit gemacht hat. Die Ghanaer sind leider in solchen Dingen keine wirklich guten Lehrer. Immer wenn wir gefragt haben, ob wir irgendwas selber machen können, wurde uns nach spätestens 2 Minuten die Mörserschüssel, oder der Stab zum Fufu stampfen aus der Hand genommen. Sie können es einfach nicht aushalten, zuzuschauen, wie man sich anstellt, und wenn man fragt ob sie es einem erklären können, dann machen sie es einfach vor, aber sagen einem nicht was man anders machen soll. Vor allem beim Fufu stampfen haben sie sich immer alle schlapp gelacht. Es ist aber schon krass, was die Mädels für eine Kraft hier haben. Ich für meinen Teil konnte meine Arme nach 5 Minuten Stampfen schon fast nicht mehr heben, und die Mädels halte da fast eine Stunde durch. Also natürlich immer mit Pausen dazwischen, aber trotzdem. Nachdem hier in Ghana die Frauen komplett fürs Kochen zuständig sind, wird auch von ihnen das Fufu gestampft. Immer zu zweit, oder zu dritt wird dann abwechselnd von einem gestampft, und von einem anderen die Kochbanane und die Cassavawurzel mit der Hand gewendet. Ich hätte beim wenden so Angst um meine Hand, wenn der andere mit dem riesigen Holzprügel da draufstampft. Es geht so: Immer wenn der Stampfende ausholt wendet, oder richtet der andere das Fufu wieder so hin dass möglichst viel von der Masse gleichzeitig gestampft wird. Dann wird die Hand weggezogen und der Stampfende haut ordentlich drauf. Die Ghanaer machen das in einer Geschwindigkeit, dass es mich immer wundert, dass nicht jeder zweite hier ab und zu eine gebrochene Hand hat. Das selbst gemachte Fufu war dann echt super lecker, weil wir auch entscheiden konnten, was für ein Fleisch rein kommt. Wenn man in einer Chopbar, sprich einem Restaurant Fufu kauft, dann ist in der Soße oft so widerliches Fleisch drin, deswegen bestell ich schon immer gleich ohne Fleisch. Nun aber zum Wochenende. Quasi ein Kurzurlaub in einem traditionellen Dorf. Wir waren auf der Hochzeit von einer Kusine von Harriet, der Schneiderlehrerin unserer Schule eingeladen. Die Hochzeit hat in einem größeren Ort, eineinhalb Stunden von Kumasi entfernt statt gefunden, übernachtet haben wir aber in besagtem traditionellem Dorf etwa eine halbe Stunde von Kumasi, in der Nähe des einzigen Sees in Ghana, bzw. Westafrikas. Dieses ist das Heimatdorf von Harriets Familie und wir haben bei ihrem Vater gewohnt. Dort hat auch die Verlobungsfeier, welche hier in Ghana fast genauso groß, wie die eigentliche Hochzeit, halt nur ohne Kirche, gefeiert wird, statt gefunden. Wir sind Freitagmorgen so um 5 hier losgefahren, um auf alle Fälle rechtzeitig da zu sein. Die Taxifahrt war alles andere als komfortabel, da wir 8 Personen, Harriets einjährige Tochter inbegriffen, waren. Man kann sagen, es war eine sehr „vielschichtige“ Fahrt. Die Hälfte von uns hat danach kaum noch die Beine gespürt, weil es zu fünft hinten dann doch eher eng war. Dort angekommen wurden wir dann von Harriets Vater, einem mir wahnsinnig sympathischen Ghanaer, und seiner neuesten Frau empfangen. Die Familienverhältnisse sind mir immer noch nicht ganz klar, ich weis nur, dass er 13 Kinder von verschiedenen Frauen und Harriet anscheinend 35 Kusinen und Cousins hat. Nachdem der Vater uns unsere Zimmer gezeigt hat, sind wir gleich ins Dorf aufgebrochen, um die ganze Familie kennen zu lernen. Das Dorf hat sich schon deutlich von Denkyemouso unterschieden, vor allem, weil viele Häuser noch aus Lehm gebaut waren und dementsprechend am Verwittern. Das große Familienhaus war jedoch ein Betonbau, der an Römische Häuser erinnert hat. Ein großer Innenhof wurde komplett von den Zimmern der Hausbewohner und der Küche umschlossen. Jeder hat nur einen einzigen Raum wo ein Bett und stapelweise Klamotten drin waren (Die Zimmer in die ich rein geschaut habe zumindest).

Sämtliche Haushaltssachen, wie Waschen oder Kochen, finden im Innenhof statt. Auch sonst spielt sich das meiste draußen ab. Nach gründlicher Besichtigung des Hauses ging es dann weiter zum zweiten großen Haus der Familie, gleichzeitig das Kindheitshaus der Braut. Dort wurde fleißig Fufu gestampft und Suppe gekocht. Das gab es dann auch gleich noch zum Frühstück, wofür ich ziemlich dankbar war, weil wie zu erwarten hat die Verlobungsfeier fast drei Stunden gedauert, und sonst wäre ich mal wieder fast verhungert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel und oft die Ghanaer essen, aber auf der anderen Seite halten sie es dann auch mal ewig ohne Essen aus. Die Verlobungsfeier war dann gar nicht so langweilig, wie erwartet, weil uns Harriet die gesamte Prozedur übersetzt hat. Es fing an mit der Vorstellung und Begrüßung der Familien, wobei die Familie des Bräutigams sitzen blieb, während die Familie der Braut, wie immer gegen den Uhrzeigersinn gehend, einem nach dem anderen die Hand geschüttelt hat. Dann wurde viel geredet, wovon wir dann nichts mehr verstanden haben. Die Familie der Braut ist für die Ausrichtung der Verlobungsfeier zuständig, die Familie des Bräutigams macht dagegen Geldgeschenke an enge Verwandte der Braut, stellt den Ring, schenkt einen Koffer ( Den Inhalt habe ich leider vergessen) und sorgt für Getränke. Ah und ganz wichtig, wurde uns sogar persönlich vom Vater der Braut und danach noch mindestens zwei Mal erklärt, dieser bekommt eine Flasche Schnaps. Wie bei der Hochzeit wird ständig dazwischen gerufen oder es werden Witze gemacht, wodurch die ganze Feier zu einer sehr lebhaften und fröhlichen Veranstaltung wird.

Wieder im Haus unseres Gastgebers hat dieser uns dazu eingeladen, uns sein Dorf zu zeigen. Ganz stolz hat er uns erst zum Brunnen, dann zu örtlichen Schnapsbrennerei gebracht. Die „Schnapsbrennerei“ bestand aus einer auf einem Feuer stehenden Tonne, aus der ein Rohr in ein Kühlbecken führt, und dann in einen Kanister. Das ganze funktioniert so: Als erstes wird eine Palme gefällt, diese wird dann aufgeschnitten und die darin befindliche Flüssigkeit wird in ein Metallfass abgefüllt. Darin gärt das ganze dann an die fünf Tage. Dann hat man Palmwein, der knapp 4% hat (Dieser wird oft schon vormittags getrunken). Um den Schnaps zu gewinnen, wird der Palmwein in die Tonne auf dem Feuer gefüllt und destilliert. Das ganze wird zwei Mal gemacht, wobei beim zweiten Mal noch mal ¼ Palmwein hinzugefügt wird. Nach dem zweiten Brennen hat man dann Akpeteschi, der ein bisschen an Tequilla erinnert, nur deutlich stärker ist, so an die 50%. Eine interessante Regel hat uns der Vater erklärt. Wenn man dort Alkohol kauft, muss der Verkäufer immer vor den Augen des Käufers einen Schluck nehmen, um zu zeigen, dass der Schnaps oder Palmwein nicht giftig, oder sonst wie gefährlich ist. Find ich sehr gut, weil so ganz Vertrauen erweckend mir das Ganze ja nicht aussah. Auch der Vater von Harriet hat immer als erster vom Palmwein oder Akpeteschi getrunken um uns zu beweisen, dass es ungefährlich ist. Nach der Destille ging es dann zum großen Brunnen des Ortes, der elektrisch Wasser in einen Tank auf fünf Meterhöhe gepumpt hat, damit immer Vorrat da ist. Für dieses Wasser müssen die Dorfbewohner aber bezahlen, dafür ist das Wasser viel sauberer. Zuerst dachten wir neben den Wasserhähnen stehen Duschen, bis zwei Ghanaerinnen mit Eimern auf dem Kopf kamen, sich darunter gestellt haben und so die Eimer gleich auf dem Kopf befüllt haben. Das ist vor allem nützlich, wenn sie niemanden dabei haben, der ihnen beim Heben des doch sehr schweren Eimers auf den Kopf helfen kann. Das war der Freitag. Für Samstag hatte der Vater, ich nenne ihn jetzt nur noch Kwame, weil ich den Rest seines Namens vergessen habe, so einiges geplant. Er hatte sich so viele Gedanken zu unserer Unterhaltung in seinem Dorf gemacht, das war echt der Wahnsinn. Nach dem Frühstück vor seinem Haus ging es als erstes auf sein Feld. Man muss dazu sagen, er war 27 Jahre lang Arbeiter in den Goldminen und hat sich jetzt in seinem Ruhestand als Hobby einen kleinen Hof aufgebaut. Er produziert Palmöl, baut Orangen an, Pepper, Cassavawurzel und hat noch dazu einen Stall in dem er Hühner hält. Bevor wir jedoch auf seine kleine Palmen/Orangenplantage gegangen sind, wollte er uns unbedingt Kokosnuss essen lassen. Wir haben sie direkt von der Palme „gepflückt“ bekommen. Ich muss leider sagen, dass mir so eine Frische Kokosnuss nicht besonders zusagt, weil mir erstens die Milch nicht schmeckt, und das Innere, was bei uns immer Hart ist, bei einer frischen Kokosnuss noch weich und fast schon schleimig ist. Trotzdem war es ein Erlebnis mal so was direkt von der Palme zu bekommen. Auf seiner Plantage hat Kwame uns dann ganz stolz jede einzelne Pflanze, von der Bananenstaude bis zu Tabakpflanze gezeigt. Wo man zunächst nur Bananenstauden gesehen hat verstecken sich dazwischen noch unzählige andere essbare Gewächse. Nach der Besichtigung der Plantage ging es wieder zurück zu seinem Haus, wo es zum eigentlichen Teil seiner Hoftour. Sie wollten für uns Kochen, und dafür wurden zwei Hühner geschlachtet. Der Schlachtvorgang war recht makaber, weil Kwame die Bibel wörtlich nimmt und somit das Huhn lebendig sein muss beim Ausbluten. Die Eva wollte gar nicht erst hinschauen, deswegen habe ich das ganze einfach mal gefilmt. Dann wurden die Hühner gerupft und ausgeweidet. Danach hatte ich dann erstmal keine Lust mehr auf Huhn und musste mich kurz hinlegen, weil mir so schlecht war. Vor allem nachdem ich gesehen hatte, was alles mit in den Topf zum Kochen kommt. Da waren die Nieren, das Herz, die Leber und zu guter letzt den Magen. Zum Glück konnten wir Kwame verständlich machen, das wir eigentlich nur das Fleisch essen wollten, und beim Essen durften wir uns dann selber das nehmen was wir wollen. Wie immer und bei so vielen Sachen wurde auch hier das Huhn nach dem Kochen noch einmal frittiert. Es ist echt der Wahnsinn, dass sie einfach alles frittieren. Bananen, Huhn, Fisch, Yamwurzel, Reis…

Und dann fragen mich die Lehrerinnen in der Schule, was sie machen können, damit sie nicht so dick sind.

Nach meiner Erholungsphase vom Schock über die Eingeweide konnte ich dann doch von dem Huhn essen, was übrigens super gut war.

Nach dem Mittagessen ging es dann zum See Busumtwe, einem See in einem Meteroitenkrater, sprich einem stehenden Gewässer. Auch hierfür wurde uns wieder Essen zubereitet, diesmal frittierte Kochbananen mit Bohnen. Das schlägt ganz schön im Magen ein, vor allem weil die Bohnen so wahnsinnig ölig sind. Der See war echt super schön. Auch wenn er nicht so groß aussah hat er einen Durchmesser von knapp 16 Kilometern. Der einzige Kritikpunkt ist wohl die Temperatur des Sees die bei gefühlten 30 Grad lag. Zum abkühlen ist dieser so gar nicht geeignet. So viel zum Samstag, ein toller Tag.

Der Sonntag war dann von der Hochzeit und unserer Heimfahrt bestimmt. Die Hochzeit war super langweilig, was vor allem daran lag, dass wieder alles auf Twi war, man somit kein Wort verstanden hat und außerdem hatten wir so beschissene Plätze, dass wir ncihmal das Brautpaar sehen konnten. Die Boxen waren mal wieder viel zu laut, und trotzdem wurde ins Mikro geschrieen. Da bevorzug ich doch echt lieber die Verlobungsfeier, da gibt es wenigstens noch Essen. Insgesamt war aber das Ganze Wochenende ein super Kurzurlaub um mal wieder hier aus dem Schulalltag raus zu kommen und vor allem super um mal ein traditionelleres Leben zu sehen. Ach ja, was ich fast vergessen hätte, als wir am Samstag die Mutter von Kwame, sprich Harriets Großmutter besucht haben, um uns von ihr zu verabschieden, hat sie gleich nach mir gefragt, um mir mitzuteilen, sie wolle mir eine ihrer Enkelinnen zum Heiraten geben. Als ich dann gesagt habe, ich bin schon in Deutschland vergeben, dahat sie nur gelächelt und gemeint, hier könnte ich ja dann auch noch eine Ghanaerin Heiraten, das geht schon. Ich hab dann aber trotzdem nicht zugesagt, ich steh ja nicht so aufs Blindheiraten…

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Die Schule

Warnung: Ich habe mal wieder über viel zu viele Details geschwafelt

 

Ich habe mir gedacht, dass ich, bevor ich zur letzten Woche komme, mal einen typischen Schultag hier beschreibe.Dieser beginnt so um 6 Uhr morgens, wenn ich das erste Mal aufwache, weil ich mich mal wieder so im Mückennetz verhakt habe, dass weitere Bewegungen unmöglich geworden sind.Noch dazu muss ich jeden morgen zwischen 6 und 7 das erste Mal aufs Klo, was bedeutet, dass ich mich unter enormem Kraftaufwand aus dem Netz befreie, und mich aus meinem Bett/ meiner Hängematte quäle. Hängematte deswegen, weil die Matratze die ca. weichste der Welt ist, und diese noch dazu auf einem Spannfederbett liegt.Wenn das alles geschafft ist, und wir gerade fließendes Wasser haben, komme ich auch schnell wieder für eineinhalb Stunden ins Bett. Falls kein fließend Wasser da ist dauert die ganze Prozedur deutlich länger, weil ich dann mit einer halben Plastikflasche Wasser aus der Tonne bei uns im Bad in den Spülkasten schöpfen muss. (Ab exakt 10 Mal schöpfen lässt sich die Spülung das erste mal betätigen)Zwischen halb 8 und 8 wache ich dann das zweite mal auf und bin schon halbwegs fit.Problematischer Weise ist der Philipp dann gerade beim Duschen, was heißt, dass ich aufstehen muss um den Mädels die Tür aufzusperren. Unglücklicherweise ist nämlich sämtliches Frühstückszubehör bei uns im Zimmer. Einmal aufgestanden bleib ich dann wohl oder übel wach, auch wenn ich , wie heute, erst um halb 1 meine erste Unterrichtsstunde habe.

Unser Gang

Da Sport immer Nachmittags ist, und ich nur Dienstag bis Donnerstag Mathe unterrichte, habe ich Montag und Freitag immer erst so Spät Schule. Die Zeit bis dahin vertreibe ich mir dann mit lesen, oder (falls mal wieder nötig) waschen und abspülen. Das per Hand waschen ist, bis auf T-Shirts waschen, super nervig und auch anstrengend. Daher werden die Klamotten schon mal gern eine Woche länger getragen, als eigentlich annehmbar wäre.

Okay, die Zeit ist nun überbrückt, und ich begebe mich so langsam in Richtung Schule.

 

Der Pausenhof meiner Schule

 

 

Falls ich Mathe habe, schau ich aufm Weg noch schnell in mein Buch, welches Thema heute bearbeitet werden muss. Bis jetzt waren die Themen immer so trivial, dass ich null Vorbereitungszeit gebraucht habe. Gerade in der Einfachheit der Themen liegt aber auch der Lehranspruch. Ich finde es super schwer, ein Thema zu erklären, wo ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass jemand das nicht weis. Was mach ich nun also? Ich versuche den Kindern das Thema anschaulich darzustellen, und rechne dann ein Paar Übungsaufgaben an der Tafel vor und erkläre währenddessen alles noch 5 bis 10 Mal. Wenn ich dann das Gefühl hab, sie könnten es einigermaßen verstanden haben gebe ich ihnen Aufgaben zum selber rechnen und gehe durch die Reihen um zu schauen, inwieweit sie es verstanden haben. Dabei merke ich meistens, dass erst etwa die Hälfte das Thema umrissen hat. Deshalb frage ich in die Runde, ob jemand an der Tafel vorrechnen will. Dann meldet sich maximal einer, meistens Awe. Der geht dann an die Tafel und erklärt noch mal in einer Mischung aus Englisch und Twi, was er jetzt gerade macht. Anfangs war es echt schwer mathematische Aufgaben auf Englisch zu erklären, weil mir einfach das nötige Vokabular gefehlt hat. Mittlerweile aber habe ich fast alle Begriffe drauf, weil ich einfach zugehört habe, wie die Schüler dazu sagen.

 

So viel zu Mathe. Wenn ich Sport habe, was ich heute das erste Mal so richtig gemacht habe, weil ich mich wieder fast komplett von der Malaria erholt habe, dann spielen die Jungen Fußball, während die Mädchen im Klassenzimmer sitzen, oder Netball spielen. Heute ging leider kein Netball, weil der Korb dafür letzte Woche kaputt gegangen ist und wir den erst wieder reparieren müssen. Deshalb habe ich die Mädchen einfach machen lassen, was sie wollen, und habe mit den 5 Jungen, die anwesend waren, Fußball gespielt. Zu meiner Verzweifelung waren die alle besser als ich, obwohl sie zwischen 10 und 15 sind.

Spaß gemacht hat es trotzdem, und ich glaube ich habe selten in meinem Leben so geschwitzt, wie nach der Schulstunde. Es war einfach viel zu heiß heute, weil ausnahmsweise mal die Sonne geschienen hat. Gerade ist  noch Regenzeit, was heißt dass eigentlich immer Wolken am Himmel sind, und die Luft ziemlich feucht ist.

Zwischen eins und zwei gibt’s dann im Lehrerzimmer Mittagessen, was zwar nicht sehr abwechslungsreich ist (jede Woche der gleiche Essensplan), aber ich habe Hunger also sehe ich auch darüber hinweg, dass es fast jeden Tag irgendetwas mit Bohnen gibt.

Den Nachmittag verbringe ich dann meistens wieder mit lesen, oder Unterhaltungen mit den anderen. Morgen fahre ich aber endlich nach Kumasi rein und geh zur Post. Ich hoffe, dass mein Paket mit dem Stativschlitten, den ich daheim vergessen habe, angekommen ist, damit ich endlich mein Fotoprojekt starten kann. Noch dazu will ich mir morgen eine Gitarre kaufen, damit ich meine Freizeit auch noch anders gestalten kann, als nur zu lesen und rum zu hängen. Zurück zum Tagesablauf. Wenn es dann so zwischen 6 und 7 Abends ist kommt langsam aber sicher die Frage nach dem Abendessen auf. Meistens gehen wir nach Denchemouso rein und kaufen uns was. Zur Auswahl stehen rice and stew, auch wenn ich nicht weiß was stew genau ist(ich glaub ich will es auch nicht wissen), fried rice mit chicken, fried yam, bread and egg und Fufu.Zur Erklärung: Yam ist eine Wurzel, die ähnlich wie Süßkartoffel schmeckt, bread and egg ist Rührei, das in einem Brot in der Pfanne angebraten wird und Fufu ist Kochbanane mit Maniokwurzel zerstampft.Nach dem Abendessen sind wir dann meistens so müde, dass wir schon so um 9 ins Bett gehen. Also ab unters Mückennetz und in die Hängematte. Und morgen muss ich dann wieder um 6 aufs Klo…

 

Der Blick aus unserer ZImmertür

Nun aber zu letzter Woche. Ich habe gleich am Montag der Mathelehrerin gesagt, dass ich eine Klasse komplett übernehmen will, und die anderen Klassen dafür gar nicht, damit es für mich, aber auch für sie einfacher wird, den unterricht vor zu bereiten. Das heißt ich habe jetzt 6 Stunden Mathe die Woche, dazu kommen noch 6 Stunden Sport, auf alle drei Klassen verteilt. Ich habe aber auch vor, ab nächster Woche Deutsch als Wahlfach zu unterrichten, was dann noch mal knapp 6 Stunden in der Woche wären, die aber auf den Nachmittag angelegt sind. Ich hätte erwartet, dass vielleicht 5 – 10 Schüler pro Klasse darauf Lust haben, aber als ich jetzt diese Woche einen Zettel hab rumgehen lassen, da hat sich fast jeder eingetragen. Das ist auch der Grund, warum ich so viele Stunden halten werde, weil ich dann pro Klasse einfach einen Tag mit einer Doppelstunde ansetzen werde.

Der Unterricht an sich ist erst mal gewöhnungsbedürftig, weil wenn ich zum Beispiel meine Mathe Stunde nach der Mittagspause habe, dann beginnt der Unterricht zum Teil erst 15 bis 20 Minuten nach Ende der Pause, weil die Schüler noch beim Essen, oder sonst was machen sind. Da muss ich mir noch was überlegen, wie ich ihnen klar machen kann, dass sie das gerne bei den ghanaischen Lehrern machen können, ich aber dann doch gerne meinen Stoff durchziehen würde. So wirklich leise sind sie dann bei mir auch immer nicht, vor allem wenn ich was an die Tafel schreibe, dann stehen plötzlich welche auf, und gehen einfach raus oder laufen durchs Klassenzimmer. Da muss ich dann schon erst richtig sauer werden, dass sie mal Ruhe geben.

Die Schüler sind ganz klar in zwei Gruppen geteilt, die 5 oder 6 Schüler, die echt was lernen wollen, und der Rest, der einfach nur drin sitzt, und oft nicht einmal Schreibzeug dabei hat.

Aber ich denk mir immer: Solange ich wenigstens ein Paar Schülern was beibringen kann, hat sich die Stunde gelohnt. Es ist auch echt cool, wenn man eine Stunde hält, und dann am Ende der Stunde das Gefühl hat, dass der Großteil der Schüler verstanden hat, von was ich rede.

Der Sportunterricht ist eher unspektakulär, weil die Jungs einfach immer Fußball spielen, und die Mädchen Basketball, wo aber zur Zeit der Korb kaputt ist, den müssen wir in der nächsten Stunde erst noch wieder richten. Nachdem ich jetzt auch wieder Sport machen kann, habe ich letztens bei den Jungen mitgespielt, was eher frustrierend war. Die 12 bis 15 Jährigen waren einfach alle besser als ich. Dafür waren alle anderen Lehrer total begeistert, dass ich mit den Schülern gespielt habe und sie haben mich am nächsten Tag gleich gefragt ob ich wieder Sport hätte.

Die Postfächer in Kumasi

Der Besuch bei der Post war übrigens ein rechter Reinfall. Es lag nur Post für die Freiwilligen, die vor uns da waren im Postfach, weil der Kasten seit mindestens Anfang August nichtmahr gelehrt wurde. Das Postoffice gefällt mir aber echt gut. Sämtliche Boxen sind einfach aussen an dem reisigen Postgebäude, man braucht halt immer einen Schlüssel für das jeweilige Fach. Die Fächer werden dann einfach von Innen befüllt. Im Fahc lagen zwar noch 3 Paketabholzettel, diese waren leider aber ebenfalls schon seit August da drin, konnten deshalb nicht für jemanden von uns sein. Wir haben sie dann auch garnicht abgeholt, weil wir dafür dann bezahlen hätten müssen. Die Suche nach unserem Fach war dann auch wieder ein rechtes Abendteuer, weil wir bei 1 Startend dann alle Wände abgehen mussten um zu unserem Fach mit der Nummer 9004 zu kommen. Das awr aber gar nicht so einfach, weil nach 7000 kam dann plötzlich 15000 und so mussten wir nachfragen gehen, was einige Erheiterung bei den Ghanaern hervorgerufen hat, weil sies komisch fanden, dass wir nicht wissen, wo unser eigenes Fach ist.

 

Der Samstag war dann für die Hochzeit von Sark, unserm Nachbarn und Administrator der Schule reserviert. Dafür mussten wir um 5 Uhr morgens losfahren, da die Hochzeit in Koforidua statt gefunden hat. Nach 5 Stunden Fahrt waren wir dann dort, und da hatte die Hochzeit auch schon angefangen. Es war echt interessant mal eine ghanaische Hochzeit zu sehen, weil doch einiges anders ist. Der Gottesdienst hat knapp 3 Stunden gedauert, undman hat kein Wort verstanden, weil entweder wurde Twi geredet, oder so ins Mikro geschrieen, dass man kein Ton vom Englischen verstanden hat. Was mich echt erstaunt hat war, dass selbst auf einer Hochzeit das Gebot eingehalten wird, dass man keine Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit zeigen darf. Das Brautpaar hat sich nicht geküsst, sondern nur eine kurze Umarmung gegeben. Was ich cool fand war, dass bei den Liedern alle aufgestanden sind, und angefangen haben durch die Kirche zu Tanzen. Da war dann echt Stimmung. Nach dem Gottesdientwar dann gab es noch ein kurzes Fotoshooting, während dem ich fast gestorben bin, weil ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und es schon 2 Uhr mittags war. Nach dem Fotoshooting  ging es dann weiter in die Church Hall. Dort wurde dann der nicht kirchliche Teil gefeiert. Es wurde fürs Brautpaar gespendet, der Kuchen angeschnitten, und der Toast ausgesprochen. Die ganze Zeit habe ich auf den Teil mit dem Essen gewartet, weil von Deutschen Hochzeiten bin ich einfach gewohnt, dass es irgendwann ganz viel zu essen gibt. Dem war leider nicht so. Ganz am Ende haben wir denn alle ne Box mit Reis und sonderbarem Fleisch bekommen. Meins war leider schon kalt, weil ich zu spät dran war. Direkt danach ich der Bus von unserer Schule auch schon wieder zurück gefahren, es gab gar nicht so was wie eine Party. Bei ghanaischen Hochzeiten ist anscheinend alles eher kühl, wenn man so sagen kann. Bevor das Brautpaar noch aus der Halle raus war, wurde die Deko schon abgehängt.

Aber ich hab mal wieder fest gestellt, dass es Begriffe gibt, die im Englischen einfach viel passender klingen, als im Deutschen. Trauzeuge heißt einfach mal Best Man, was einfach echt gut passt. Also. Wenn ich mal heirate, gibt’s keinen Trauzeugen, der muss auf jeden Fall Best Man heißen.

Der Rückweg war dann wieder mal ein Beweis dafür, dass man sich hier echt mittlerweile eingelebt hat. Nach ca. einer halben Stunde standen wir im Stau, weil durch den Regen die Straße auf der einen Seite weg gebrochen war und die andere Seite so verschlammt war, dass jedes zweite Fahrzeug stecken geblieben ist. Noch dazu kam, dass die Leute nicht einfach in der Autoschlange geblieben sind, sondern links und rechts vom Stau an der Schlange vorbei gefahren sind, was diesen dreispurig gemacht hat, weil das Ganze auf beiden Seiten des Engpasses geschehen ist. Unser Fahrer hat natürlich auch versucht am Stau vorbei zu fahren, was dann erheblich Probleme beim wieder einordnen gemacht hat, weil uns verständlicher Weise niemand reinlassen wollte. Warum ich gesagt habe, dass man merkt sich hier eingelebt zu haben: Wenn so was jetzt passiert, dann stört das überhaupt nicht mehr, weil man schon weis, dass es irgendwann weiter gehen wird, es halt 2 bis 3 Stunden dauern kann. Also steige ich aus, laufe durch die Gegend, unterhalte mich mit den anderen, oder Ghanaern. Vielleicht hole ich noch meine Kamera raus und vertreibe mir die Zeit mit Fotos machen.

Apropos Fotos. Während der Fahrt habe ich immer versucht Fotos aus dem Fenster raus zu machen, wozu ich aber immer aufstehen musste. Als ich dann einmal die coolste Tankstelle, die ich je gesehen habe, fotografiert habe, haben sich die Ghanaer im Bus beschwert, dass ich ja mal auch die schönen Dinge in Ghana fotografieren sollte und nicht nur die hässlichen.

Den Menschen hier gefällt es gar nicht, wenn man zum Beispiel Müllberge, oder  andere Unschöne Sachen fotografiert. Dann haben sie immer das Gefühl man zeigt nur, wie schlecht die Verhältnisse im Vergleich zu Europa sind.

Das witzige war, dass mir nach dem Foto von der Tankstelle die ganze Zeit Dinge gezeigt haben, die ich unbedingt fotografieren muss, weil sie ja genauso interessant wie die Tankstelle sind. Zum Beispiel sollte ich dann eine Wasserpfütze oder einen Strommasten fotografieren. Auch wenn die Ghanaer keine Ironie kennen glaube ich dass mich der eine damit aber eher verarschen wollte, weil er eben das Gefühl hatte, dass ich nur Blödsinn ablichte.

Bei der Pfütze wollte er dann unbedingt das Foto machen wozu ich ihm Todesmutig meine Kamera in die Hand gedrückt habe. Er ist dann nämlich nach vorne gegangen, und hat aus der offenen Bustür raus fotografiert. Genau in dem Moment sind wir durch ein riesiges Schlagloch gefahren, was mein Herz kurz zum aussetzten gebracht hat, weil ich mir nicht so ganz sicher war, ob er meine Kamera auch wirklich festhält, und er ziemlich weit aus der Tür hinaus gelehnt war. Nach sieben Stunden Fahrt waren wir dann endlich daheim und wollten nur noch einfach ins Bett, weil man im Bus mal wieder nicht hatte schlafen können.

Es sollte uns aber anscheinend nicht vergönnt sein. Als ich nämlich auf den Gang vor unserer Tür gekommen bin habe ich mich schon über die riesige Pfütze auf dem Beton gewundert. Zu meinem Entsetzen kam ein riesiger Fluss aus unserem Zimmer. Das halbe Zimmer stand unter Wasser, weil jemand den Hahn vom Spülkasten vergessen hatte zu zu drehen. Zum Glück ist unser Zimmer zur Tür hin abschüssig, sodass das meiste Wasser raus fließen konnte, sonst wäre wohl das ganze Zimmer unter Wasser gestanden. Um niemanden zu denunzieren, werde ich an dieser Stelle keine Namen nennen. Statt unseren wohlverdienten Schlaf zu genießen durften wir nun fast zwei Stunden mit allem saugfähigen was wir finden konnten, sprich Vorhängen oder Bettbezügen, das Wasser aufwischen.

 

Diese Woche wollten wir dann am Campus der Universität Volleyball spielen gehen, was aber bei allen drei Versuchen ins Wasser gefallen ist, da es immer um ca. halb 5, wenn das Training dort losgehen sollte, angefangen hat in strömen zu regnen. Beim zweiten Mal hatte ich mich mit Lea untergestellt, als neben uns ein fetter Jeep angehalten hat und der Fahrer uns zu verstehen gab ein zu steigen. Dieser hat uns dann nach Hause gefahren, und uns erzählt, dass er der Chauffeur von einem der Professoren ist, dieser aber gerade in Deutschland auf einer Konferenz ist. Wir haben dann Nummern ausgetauscht, weil er meinte wenn wir wollen könnte uns noch mal mitnehmen. Am nächsten Tag haben wir dann erfahren, dass er der Chauffeur vom Leiter der Universität ist.

Da geht also der Regenwald hin

Gestern wollten wir dann wieder auf den Volleyballplatz, diesmal war dort aber eine Beerdigung. Daniel, ein ghanaischer Freund aus Accra, der uns einmal die Woche besucht, hat uns deshalb seinen Freunden vorgestellt. Diese waren irgendwie alle IT Studenten, was zur Folge hatte, dass sie zu dritt in Boxershorts und Unterhemd in ihrem Zimmer saßen und am Computer zocken waren und nicht mal richtig aufgeschaut haben. Aber immerhin wissen wir jetzt wo wir hingehen müssen, wenn wir technische Probleme haben.

 

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Der Urlaub

Da bin ich mal wieder. Nachdem ich mir jetzt echt lange Zeit gelassen hab, einen neuen Bericht zu schreiben, kann ich jetzt nicht auf jeden einzelnen Tag eingehen, sondern nur einen Überblick geben. Da wir ja  noch 2 Wochen Urlaub hier hatten, bis die Schule „losgeht“ sind wir schleunigst aufgebrochen, um was vom Land zu sehen und nicht hier aufm Campus zu versauern, wo in der Ferienzeit eh nichts los ist. Als erstes sind wir, also alle Freiwilligen (7 an der Zahl), mit Jessica, einer ehemaligen Freiwilligen in den Norden, in die Stadt Tamale gefahren. Wie auch sonst ging es dorthin über holprige Straßen. Diesmal in einem bei weitem nicht so bequemen, aber dafür umso günstigeren Bus (Immerhin gab es keinen Fernseher).

In Tamale angekommen, haben wir uns als erstes auf die Suche nach einem Hotel gemacht. Da es aber nicht genug Zimmer mehr gab, sind Konrad und ich in ein anderes „Hotel“ gegangen. Dieses befand sich in den Polizei Baracken, wodurch wir mit einem eher mulmigen Gefühl dort eingezogen sind. Man muss dazu sagen, dass die Polizei in Ghana einen echt miesen Ruf hat. Dafür war das wohl die billigste Variante die wir in ganz Tamale bekommen konnten, für sage und schreibe 3,5€ für ein Doppelzimmer. Da wir eh nur eine Nacht bleiben wollten, haben wir einfach über das Gemeinschaftsbad hinweggesehen. Da wir am nächsten Morgen um 6 schon beim Ticketverkauf für die Weiterfahrt sein mussten, war die Nacht eh verhältnismäßig kurz. Wie zu erwarten, standen wir um viertel vor 6 vor einem leeren Schalter, wo uns gesagt wurde, der Verkäufer würde gleich kommen. Gleich ist hier in Ghana wie gesagt kein gleich wie wir es kennen. Gleich heißt hier eher so viel wie er kommt im laufe des Tages, aber wir wissen nicht wann. Dies hatte zur Folge, dass um ca. viertel nach 7 endlich wer kam, um die Tickets für den Bus, der am Nachmittag fuhr, zu verkaufen.

An besagtem Nachmittag saßen wir dann endlich im (viel zu engen) Bus. Wir waren noch nicht mal losgefahren, da entbrannte schon eine hitzige Diskussion zwischen einer ziemlich massiven Frau und einem Mann. Es ging darum, in welcher Reihenfolge die Sitzplätze verteilt sind, sprich wer von beiden den Fensterplatz bekommt. Da die Ghanaer für ihr leben gerne diskutieren, war bald der halbe Bus am stehen und aufeinander einreden. Dies wurde irgendwann so laut und aggressiv zwischen zwei Männern vor mir, dass der, mittlerweile losgefahrene Bus, angehalten hat und der Busfahrer ihnen drohte, sie beide raus zu werfen.

An unserem Ziel angekommen, dem Mole Nationalpark, erwartete uns auch schon gleich die erste Überraschung. Als die Mädels ihr Zimmer beziehen wollten, mussten sie feststellen, dass eine Wildschweinmutter mit ihren zwei Ferkeln vor ihrer Tür lag. Da wir alle nicht wussten, wie wir die Wildschweinfamilie umgehen oder loswerden sollten, haben wir eine Mitarbeiterin des Nationalparks geholt. Diese hat uns dann ziemlich doof dastehen lassen, sie hat einfach mit einem Stock gefuchtelt, ihn auf die Wildschweine geworfen und sie somit verscheucht.

Für den nächsten Tag war eine Safari geplant. Diese begann dann so um 7 morgens, und ging 2 Stunden lang. Am Anfang waren wir alle ziemlich enttäuscht, weil die ersten 20 Minuten hat uns der Führer einfach auf Straßen durch den Park geführt. Dann aber ging es doch noch in den Busch, wo wir dann Antilopen von weitem durch die Bäume hindurch beobachten konnten, was eher unspannend war. Die Elefanten, weswegen ich dort hingefahren bin, haben wir dann aber doch noch gesehen.

Mole Nationalpark

 

Am Rückweg zum Hotel sind wir dann durch ein kleines Dorf gekommen, wo der gesamte Fußballplatz (Es gibt in jedem noch so kleinen Ort irgendeinen Fußballplatz) von Affen und Wildschweinen besetzt war.

Apropos Hotel. Die Lage vom Hotel war einfach atemberaubend. Es lag auf einem Hügel mitten im Nationalpark, und direkt oberhalb von einer Wasserstelle, wo Tagsüber immer wieder verschiedene Tiere beim trinken zu beobachten waren. Der Hammer.

Die Lage machte sich aber auch im Preis bemerkbar, da man für ein Abendessen nicht die üblichen 50cent – 1€ zahlen musste sondern gleich mal das Zehnfache.

Naja, egal. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Wir haben dann noch eine Nacht dort verbracht, und sind dann morgens um halb 5 zurück nach Tamale aufgebrochen. Da wir uns dort aber nicht stressen lassen wollten, beschloss die männliche Hälfte unserer Gruppe eine Nacht noch dort zu verbringen, und dann morgens wieder nach Kumasi bzw. Denchemouso zu fahren.

Wegen den vielen und vor allem anstrengenden Busfahrten war ich dann wahnsinnig froh endlich wieder bei uns im Dorf zu sein und mal wieder Ruhe zu haben. Deswegen war mein Plan auch zunächst nicht mit den anderen am übernächsten Tag gleich wieder weiter zu fahren, sondern einfach die Ruhe zu genießen.

Aber schon der nächste Tag des Nichtstuns war so langweilig, dass ich doch mitgefahren bin.

Diesmal ging es jedoch nach Süden, in Richtung der Hauptstadt in einen Ort namens Kouforidia oder so. Ich weis bei den Orten hier nie so ganz genau, wie sie jetzt ausgesprochen, geschweige denn geschrieben werden.

Dort wollten wir zum einen auf den Perlenmarkt, und zum anderen einen Wasserfall anschauen. Der Hinweg war im Nachhinein der deutlich angenehmere von beiden, aber in dem Moment war es grausam. Wie üblich waren wir früh aufgestanden, und dementsprechend müde während der Fahrt. An schlafen war aber in keinem Fall zu denken, da in jedem noch so kleinen Ort wo wir durchgefahren sind, und deren gab es viele, mindestens 3 – 4 „Geschwindigkeitsbegrenzungshuckel“ waren. Den Fahrer hat es wenig gejuckt mit fast unvermindertem Tempo darüber hinweg zu fliegen.

Am selben Nachmittag noch waren wir dann aber auf besagtem Perlenmarkt, wo es Glasperlen, in den umliegenden Orten produziert, gab.

Für den nächsten Tag war der Besuch des Wasserfalles, mit vorheriger Wanderung durch den (meiner Meinung nach) Regenwald geplant. Wir hatten uns 2 Taxifahrer engagiert, die uns hinfahren, 2 Stunden auf uns warten und uns dann wieder heimfahren sollten, aber dazu gleich mehr. Nach der Wanderung in ein kleines Tal rein und dann hoch zu einem heiligen Stein und einer dreistämmigen Palme, haben wir uns an den Wasserfall gewagt.

Boti Waterfalls

Das Bild kann nur sehr abgeschwächt die Faszination des Wasserfalls zeigen. Leider ist mein Kameraobjektiv nicht von dem Sprühnebel des Wasserfalls verschont geblieben, was die Bildqualität der Fotos eingeschränkt hat. Nachdem wir vielleicht 10 Minuten vor dem kleinen See am Fuße des Falls gestanden hatten, waren wir fast komplett durchnässt. Genau so habe ich mir die Tropen vorgestellt. Ich freu mich auch schon drauf noch mal richtig in den Regenwald zu gehen. Allein schon die abgeschwächte Form in diesem Gebiet hat einen Ausblick auf die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen gegeben.

Auf dem Rückweg vom Wasserfall haben wir uns dann noch in einem kleinen Ort von den Taxifahrern absetzen lassen. Dort sind wir dann in einen Glasperlenproduktion gegangen. Es war  ein Projekt zur Förderung Alleinerziehender Mütter aus der Gegend. Wir haben eine kleine Führung bekommen, und haben uns dann noch ein Paar Ketten, Ohrringe und Armbänder angeschaut und auch wieder mal gut eingekauft.

Irgendwann kam dann einer der Taxifahrer rein und gab uns dadurch zu verstehen, dass er bald mal gerne fahren würde. Man hat ihm leider nur ziemlich schnell angesehen, wie er sich die Wartezeit vertrieben hat. Schon als wir vom Wasserfall losgefahren sind, haben wir uns über die seltsame Fahrweise des Fahrers gewundert, da er wahnsinnig langsam gefahren ist, und bei jeder Kurve auf der Landstraße geblinkt hat. Als er dann in der Perlenfabrik in der Tür stand hat man ihm endgültig angesehen, dass er total zugekifft war.

Zum Glück hat er uns dann doch sicher nach Kouforidia zurück gebracht. Als wir dann da waren, wollte er dann aber plötzlich 5€ mehr für die Wartezeit. Dadurch ist dann einen spitzen Diskussion entstanden, weil wir es eine absolute Frechheit fanden, dass er sich zudröhnt in der Zeit, und es dann trotzdem als Arbeitszeit deklariert. Das haben wir ihm so gesagt, aber ihm war nicht mal irgendetwas unrechtes daran bewusst, bekifft Auto zu fahren. Er meinte, solange es niemand sieht, also er’s Zuhause oder im Gebüsch macht ist es ja nichts was unsere Angelegenheiten betrifft.

Wir sind dann aber doch noch darauf eingegangen, ihm mehr zu zahlen. Diskussionen locken in Ghana immer Menschen an, die einfach mit einsteigen, auch wenn sie keinen der beiden Seiten kennen. Da im Zweifel die Leute für die Ghanaer gewesen wäre, wollten wir nichts drauf ankommen lassen.

Nachdem es mal wieder ein wahnsinnig schwüler Tag war, war ich danach so K.O. , dass ich im Hotel einen Mittagsschlaf machen musste und dann trotzdem noch früh ins Bett gegangen bin. Das passiert mir hier eigentlich so gut wie jeden Tag. Abends um 9 bin ich schon so kaputt, dass ich die Augen nur noch mit Mühe offen halten kann.Dafür wacht man schon um 7, oder noch früher auf und ist fit.

So nun zur Rückfahrt, meiner bisher traumatischsten Tro-Tro fahrt. Tro-Tros sind übrigens kleine Transporter, für 12 – 15 Personen, der als Busersatz dient, aber deutlich unbequemer ist. Dafür umso billiger. Mein Platz war so ziemlich der grausamste den man in dem Teil bekommen konnte. Direkt vor dem, viel zu lauten, Fernseher, wo 4,5 Stundenlang irgent welche verdammt schlechten ghanaischen Filme liefen. Daher mein neuester Vorsatz: Beim nächsten Mal warte ich lieber zwei Stunden aufs nächste Tro-Tro, als eins mit Fernseher zu nehmen.

Ach übrigens: Ich bin jetzt doch nicht Vegetarier, aber ich ess wirklich nur Fleisch, das ich als solches erkennen kann, wie zum Beispiel die Hendlschenkel, dies bei uns im Ort gibt. Von allem anderen, vor allem Fisch lass ich aber wirklich die Finger.

Seit Sonntag sind wir nun hier, und die erste „Schulwoche“ hat sehr unspannend begonnen.

Am ersten Schultag, dem Dienstag, war noch am meisten Action geboten. Wir wurden der Schulleiterin vorgestellt, die ich seit dem nicht mehr gesehen, weil sie immer zu spät kommt. Das heißt, selbst wenn ich um 11 nachfrage, bekomm ich als Antwort: She is late. She will come soon. Nachdem wir der Schulleiterin vorgestellt wurden war der Schultag aber auch schon wieder vorbei, weil in der ersten Schulwoche wird in Ghana immer das Schulgelände wieder auf Vordermann gebracht, was heißt dass eh nur die Hälfte der Schüler da ist, weil der Rest sich um die Arbeit drücken will. Also was habe ich die Woche gemacht? Ich war Slacklinen, was gleich ein Paar Ghanaer angelockt hat, die in etwa mein Alter waren. Einer war wahnsinnig motiviert, eh hat die ganze Zeit gemeint: Teach me! I want to do it perfect!

Als Belohnung hat er schon nach einer halben Stunde ein Paar schritte geschafft. Danach hat er mir auch gleich  seine Nummer in die Hand gedrückt, damit ich anrufen kann, sobald ich wieder gehen will.

Dann versuche ich jeden zweiten Tag joggen zu gehen, was die Ghanaer gar nicht verstehen. Immer wieder auf meiner Strecke fragen mich die Leute, warum ich renn. Anscheinend ist wirklich der einzige Sport, den sie als sinnvoll erachten, Fußball. Die Strecke ist eh ziemlich abenteuerlich, weil man erstens dauernd dass Gefühl hat bei den Leuten durchs Wohnzimmer, oder über die Baustelle rennt. Zur Info: Man sieht selten ein fertiges Haus, weil ständig an- bzw. weitergebaut wird, und zwar immer so lange, wie Geld da ist. Was aber nicht heißt, dass der Weg von leer stehenden Baustellen gesäumt ist. Nein, die Leute ziehen ein, sobald das Dach hat und leben quasi auf einer Baustelle, meistens einfach noch im Rohbau, auf hartem Betonboden.

Der zweite Abenteuerfaktor ist die Bodenbeschaffenheit. Der Weg ist ständig von Furchen durchzogen, wenn nicht gar von kleinen Bächen, wo man drüber springen muss.

Warum ich so einen Weg entlang jogge, ist ganz einfach: An der Straße wäre es mir bei der hiesigen Fahrweise viel zu gefährlich.

Eigentlich wollte ich den Bericht ja schon nächste Woche hoch laden, aber dann bin ich genau an dem Tag, an dem ich geplant hatte ins Internetcafé zu gehen, krank geworden. Die ersten zwei Tage hatte ich Fieber und Kopfschmerzen. Als ich aber dann am dritten Tag schon morgens um sieben 39°C Fieber hatte, hab ich dann doch beschlossen nach Kumasi rein zu fahren und einen Malaria Test zu machen. Das war am Montag, wo leider immer das Problem ist, dass alle plötzlich in die Stadt müssen, weil sie ja am Tag vorher den ganzen Tag in der Kirche waren. Daher konnten wir nicht einmal direkt bis zum Krankenhaus fahren, sondern mussten noch fast 20 Minuten laufen, was in meinem Zustand ziemlich heftig war.

Als wir dann an der Rezeption nach einem Malaria Test gefragt haben wurden wir erst mal durchs ganze Krankenhaus geschickt, um dann fest zu stellen, dass wir erst ein Formblatt ausfüllen müssen. Also noch mal zurück zur Rezeption. Da haben wir dann erfahren, dass wir entweder erst zum Arzt gehen, oder gleich zum Labor und einfach nur den Test machen können. Ich war zu dem Zeitpunkt eh schon so fertig, dass ich gesagt hab, ich will nur den Test machen, und dann wieder ins Bett. Im Labor musste ich dann zwar nur 10 Minuten warten, bis mir Blut abgenommen wurde, dafür lies das Ergebnis dann fast 2,5 Stunden auf sich warten. Das Ergebnis war negativ, was mir aber auch nicht viel gebracht hat, weil dadurch wusste ich nur, was ich nicht hab. Den Tag über wurde das Fieber dann immer noch nicht besser sodass ich gesagt hab, wenn es bis Mittwoch nicht gesunken ist, geh ich doch noch zum Arzt.

Am Dienstag morgen hatte ich dann gleich mal 40,5°C Fieber. Aufgrund dessen sind wir dann doch schon am Dienstag ins Krankenhaus gefahren. Zum Glück hatten wir einen Schüler von unserer Schule mitgenommen, der sich dort mit den Leuten auf Twi verständigen konnte, was die Lage deutlich vereinfacht hat. Trotz alle dem mussten wir über zwei Stunden darauf warten, dass wir überhaupt einen Zettel bekommen, um uns in der zweiten Schlange anzustellen. An der hätte man wahrscheinlich mindestens vier Stunden warten müssen, nach der Geschwindigkeit der Schlange zu urteilen. Zum Glück haben wir in dem Moment andere weiße getroffen, die uns dann gesagt haben, man muss einfach zum Notfallschalter gehen, und sagen, es ist extrem dringend. Das haben wir gemacht, und knapp 10 Minuten später saß ich beim Arzt. Der hat mir dann zu meinem Erschrecken gesagt, dass ich schon Malaria hab, auch wenn der Test negativ ist. Er meinte, das kann vorkommen. Daraufhin wurde ich in ein Krankenzimmer gebracht, wo ich an eine Infusion gehängt wurde. Nach 3 Stunden war diese dann endlich durchgelaufen, und Philipp und ich freuen uns gerade, dass wir endlich gehen können, da kommt die Schwester, und holt einfach einen neuen Beutel raus. Das war schon ein schwerer Schlag.

Nach 10 Stunden Krankenhaus durften wir dann aber endlich gehen.

Seit dem sitz ich hier den ganzen Tag rum. Das Fieber und die Kopfschmerzen sind weg, aber wirklich fähig etwas zu machen, oder mich weiter als 100 Meter vom Zimmer zu entfernen bin ich noch nicht wirklich gewesen.

Mal schauen was der heutige Tag bringen wird.

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Der Anfang

30.8.2011

Wo fang ich an? Am besten einfach bei der ersten Nacht in der Hauptstadt.

Nach 17 Stunden Flug wäre es dann doch zu krass gewesen, noch weiter bis nach Kumasi zu fahren. Daher haben wir die erste Nacht in Accra im Headquarter von Volu, einer Partnerorganisation vom Deutsch-Ghanaischen-Freundschaftskreis verbracht.

Als wir dort angekommen sind ist mir dann doch erst mal die Spucke weggeblieben. Ein großes Matratzenlager mit sehr spartanischen Betten, aber trotzdem nichts im vergleich zu den Waschmöglichkeiten. Die Dusche bestand aus einem aus der Wand ragenden Wasserhahn und sonst nichts. Es gab nicht einmal ein Waschbecken, sondern nur Tonnen mit vom Brunnen geholtem Wasser, was da scheinbar auch schon mehrere Tage zu stehen schien. Nach einer trotz allem erstaunlich gut verbrachten Nacht gings dann um 8 zum Busbahnhof, an welchem wir dann knapp zwei Stunden warten mussten bis der Bus dann endlich fuhr. Zur Erklärung: In Ghana fährt ein Buß erst dann, wenn er komplett voll ist. Ist zwar ökologisch gesehen sehr fortschrittlich, wenn man es aber eilig haben sollte kann das natürlich schon nervenaufreibend sein. Gestört hat das aber wenig, weil es gab eh so viele neue Eindrücke die man erstmal verarbeiten musste, dass eine verspätete Abfahrt gar nicht sonderlich auffiel.

Dann ging es in einem so gut klimatisierten Bus, dass man doch eher einen Pulli angezogen hat, los nach Kumasi. Der Bus war nicht nur top klimatisiert, er hatte auch die größte Beinfreiheit, die ich je in einem Bus erlebt habe. An schlafen war dann aber doch eher nicht zu denken, weil zum einen auf Grund der Straßenbeschaffenheit die Fahrt eher einer Achterbahnfahrt denn einer Busfahrt glich. Auf der anderen Seite lief “Straight to your Heart“ 1 und 2 auf Höchstlautstärke (klasse Film übrigens).

In Kumasi angekommen sind wir dann mit dem Taxi weiter nach Denchemouso gefahren, dem Ort wo wir wohnen. Taxi fahren schaut hier folgendermaßen aus:

Man muss erst einmal mit dem Fahrer aushandeln wie viel die Fahrt denn kosten soll. Dann muss man sich auch schnell daran gewöhnen, dass Anschnallgurte nicht als notwendig gesehen werden. Die Fahrt war wiederum so holprig, dass man sich schon das eine oder andere mal den Kopf angehaun hat.

Immerhin wurden wir direkt bis vor unsere Tür gefahren, was scheinbar vor ein bis zwei Jahren noch gar nicht ging , da die Straße von Tälern durchzogen war.

Unser Zimmer ist voll ok, im vergleich zu Accra geradezu luxuriös.

Phillip und ich haben ein Stockbett was von den Matzratzen eher einer hängematte gleicht, und bei jeder Bewegung im Schlaf aufächzt. Da gewöhnt man sich aber nach ein bis zwei Nächten dran.

Gestern waren wir dann auf dem Zentral Markt, der wirklich so riesig und laut wie im Führer versprochen ist. Es gibt einfach so gut wie alles was man haben will zu kaufen. Das Problem war nur, dass der Besuch auf dem Fleischmarkt mich ziemlich davon überzeugt hat, für die Zeit in Ghana Vegetarier zu werden. Da lagen dann ganze Kuhköpfe neben seltsamen grauen Eingeweiden. Dann kam auch noch ein Verkäufer her und wollte uns allen die Hand, die er vorher schnell an der Hose abgeschmiert hatte, geben. Naja, Nase zu und durch…

Heute habe ich es dann endlich mal geschafft meinen Rucksack auszuräumen, und mich hier häuslich einzurichten. Unsere erste selbst gekochte Mahlzeit in Ghana, Rührei, war da schon sehr Highlight heute. Ach ja. Die Slackline hab ich auch schon spannen können, dafür sind die perfekten Bäume vor der Schule wo ich unterrichten werde. Nachdem wir da eine Weile waren kamen dann irgendwann Kinder aus dem Dorf, die dann gleich Huckepack durch die Gegend getragen werden wollten. Die großen Brüder von dem Mädchen, das sich von mir tragen ließ, haben in der Zeit mit ihren küchenmessergroßen „Schnitzmessern“ gespielt, wo uns schon beim zuschauen ganz anders wurde.

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